Wo es schmerzt, da greift man hin !!! (2)

Dienstag, 28. März 2017 um 10:13 - himbeertoni
Prekariat expandiert exponentiell
... oder Wolfowitz im Wuzipelz

von himbeertoni


Wie prekär ist das denn? Der Weltbankchef und Freund des Planetarchen Paul Wolfowitz hat Löcher in den Strümpfen! Was hätte Babicka dazu gesagt? Als Wolfowitz bei seinem Türkeibesuch vor der Selimiye-Moschee seine Socken ausziehen musste, konnte eine ent-setzte Weltöffnetlichkeit an seinem Elend teihaben. Man könnte jetzt "der hat doch noch andere Socken" einwenden, aber Bilder sagen mehr als Worte. Der Zeh von Wolfowitz spricht mit uns. Er sagt: Die Neue Unterschicht ist von der Peripherie in die Mitte der globalisierten Gesellschaft angekommen. Und die Geschichte geht noch weiter.

Später erwirbt Wolfowitz einen Silberarmreifen auf einem Basar. Hierfür muss er sich von seinen Bodyguards Geld vorstrecken lassen. Jetzt weiß ich: Wolfowitzs Zeh spricht die Wahrheit.
"Das sind alles hegemoniale Strategien zur Reproduktion bestehender Herschaftsverhältnisse!" rufe ich mir mindestens sieben mal zu. Es hilft nichts, meine Geschichte fängt an zu brökeln. Die Geschichte vom Kampf gegen das kapitalistische System. Wo kein Geld ist, ist auch nichts zu holen und überhaupt, wenn alles Prekariat ist, dann gibt es auch kein emanzipatorisches Metasubjekt. Pech gehabt. Wolfowitzs Zeh grinst triumpfierend. Ist es schon so weit? Glaube ich jetzt jeden Stuss? "Ja, das tuhe ich" denke ich auf dem Weg zur Arbeit. Mir kommt die Kotze hoch. Ich halte auf dem Seitenstreifen an und bin für einen kurzen Moment endlich wieder ganz bei mir, im unmittelbaren Erleben, im Realen.

Strategien gegen das Reale: Ich schaffe mir eine geschlossene Geschichte, eine, die ich nachher erzählen kann. Hinterher ist Vorher nämlich stark von Nachher geprägt. Vorher aber nicht, und das ist das Gemeine an Vorher. Die teleologischen Erzählungen sind Kinder dieses Unbehagens: Marxismus, Christentum, Aufklärung und deutscher Schlager.

Ich entscheide mich für die Vorher-Nachher-Stretegie. Das hat schon einmal geklappt. Damals konnte ich zwischen "Macht kaputt was euch kaputt macht" und den "Marsch durch die Instituttionen" wählen. Heute weiß ich, dass das keinen großen Unterschied gemacht hätte. Auch ein Gefängnisaufenthalt ist ein Marsch durch die Institutionen. Mein Marsch war angenhmer. Ich war verdammt gut.

Ich habe einen dreizehnjährigen Sohn. Er ist gänzlich ungebildet, degeneriert und Schulverweigerer. Über Wolfowitz hat er nicht viel zusagen: "Na und?". "Früher mußten wir Steine werfen!" erwidere ich und in meinem Kopf erscheinen Bilder in Technicolor 3. Langes Schweigen. Dann legt er Peter Licht auf: "Ihr lieben Achtundsechziger, danke für Alles - Ihr dürft gehn".

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