Die Strottern -- I Gabat Ois

Dienstag, 25. Januar 2022 um 06:30 - futziwolf
Die Strottern -" I Gabat Ois -" CD -" (crackedanegg // sunny-moon) VÖ:: 02. Oktober 2009

label/vertrieb:

http://www.crackedanegg.com/index.php?set_language=de&cccpage=project24
http://www.sunny-moon.com/
http://www.malagueta-music.com/





















[review:]
Wo nun in den letzten Jahren so viele junge amerikanische Bands die traditionellen Musikformen ihres Landes wiederentdecken, wo Anarcho-Punx plötzlich beginnen Country, Folk und Blues zu spielen, wird einem nur um so schmerzlicher bewusst, dass es --Volksmusik-- im positiven Sinne, in Deutschland kaum noch gibt. Diese alten Lieder von wahrem Herzeleid, von Unterdrückung und Ausbeutung, Not und Elend, Liebe, Freundschaft und Alkohol, vom Leben und Sterben der einfachen Leute, sie sind, wenn sich überhaupt noch jemand um sie kümmert, meist ein Steckenpferd alter Hippies, keinesfalls aber der Soundtrack einer politischen/sozialen Bewegung. Stattdessen gibt es --volkstümlichen-- Schlager bis zum Erbrechen, auf das der schwarz-braune Schunkelclub für ein paar Stunden seine erbärmliche Existenz vergessen und so etwas wie Lebensfreude nachstellen kann.

Nun wüsste ich nicht, ob die Lage in Österreich eine nennenswert andere ist, was ich jedoch bisher aus unserem alpinen Nachbarland mitbekommen habe, waren zum allergrößeten Teil jene grässlichen Trachten-Combos, die im Musikantenstadl oder ähnlichen Höllen Auftritte absolvieren durften. Da ist es doch sehr erfreulich jetzt mit den STROTTERN endlich noch eine österreichische Alternative zu dem natürlich sehr geschätzten GEORG KREISLER in meinem Platten- bzw. CD-Regal zu wissen.
Obgleich dieses Duo selbst schon etliche Instrumente beherrscht (Violine, Harmonium, Bandoneon, Gitarre, Rhodes-Piano, Säge) und hier auch etliche Gastmusiker zu hören sind, geht es auf --I gabat ois-- doch sehr spartanisch und keinesfalls überladen zu. So gesellt sich zum Beispiel in --größe Gott, ich bin das Wiener Lied-- zunächst ein unaufdringliches Saxophon zur Gitarre und erst nachdem es schon lange wieder verschwunden ist, stimmen die Streicher ein. Orchestral aber wird es fast nie. Lediglich im ersten Stück, einer gelungen WILHELM BUSCH-Vertonung, wird's für die Wirtshaus-Strophe mal etwas wuchtiger. Der Sound ist dabei relativ klar, nicht so dreckig wie bei manch punkigem Neo-Folker, und dennoch einigermaßen erdig.

Musik, die so auch in der eigenen Küche oder im Wohnzimmer gespielt und aufgenommen werden könnte. Die Stimmung schwankt zwischen sanfter Melancholie, tiefer Traurigkeit und einem schiefen Grinsen. Als politisch würde ich die Texte der STROTTERN nicht bezeichnen, aber es werden in bester Folk-(Volks-)Musik-Tradition mit einfachen Mitteln Geschichten erzählt, z.B. vom Tod der in Rente gehen und seinem Sohn den Job übertragen will oder von dem armen Teufel, der sein letztes Geld hergab um ein Mädchen zu beeindrucken, das dann doch mit dem Leutnant von der Garde ging. So findet sich hier auch neben dem Sensenmann so manche Gestalt, manches Motiv, die und das man dank Film und Literatur (u. a.) mit der alten Kulturstadt Wien verbindet und selbstverständlich singen DIE STROTTERN in ihrer Mundart und nicht auf Hochdeutsch.
Fazit: Sofern länderr, oder besser: Städte in Westeuropa noch so etwas wie eine Seele besitzen, so ermöglichen DIE STROTTERN unsereinem immerhin eine kleine Reise in die österreichische, bzw. --die-- Wiener Seele. Oder das was sie mal ausgemacht hat. Sehr schön. - ATAKEKS

presse:
>>> Die Strottern stemmen sich zï¿œh und biegsam wie ein Weinstock am Wiener Nussberg gegen Klischees von Heurigen- und Fiakerseligkeit. Keine Reblaus, keine Dirndl und Trachtenjanker. Auch wenn es in ihren eigenen Texten sowie zwei Wilhelm-Busch-Adaptionen um Alkohol und Tod geht und man damit in einer langen Wienerliedtradition steht. Sie verraten die Tradition nicht, wollen aber nicht in weinseligen Klischees von Wiener Gemütlichkeit versinken. Das ist eher Hans Moser auf Acid. "Linz" ist Teil 1 des Landeshauptstadt-Bashings, weitere Teile sollen folgen. In "Dod und Dodal" will Gevatter Tod sich zur Ruhe setzen und übergibt seinem Sohn das Geschï¿œft. Ein Text von Peter Ahorner, Strottern-Ersatz für den legendï¿œren Artmann, den man nicht vertonen will; zwei weitere Texte stammen von Kollegium-Kalksburg-Kollege Vincenz Wizlsperger. Mit selbigem und anderen Wiener Musikern wird der Klanghorizont von Gesang, Geige und Gitarre erweitert, sodass sich sogar das Jazzlabel Cracked Anegg ihrer angenommen hat. <<<

>>> Klangkosmos Weltmusik: Die Strottern  <<<

die strottern sind:

klemens lendl (gesang, violine, harmonium, bandoneon),
david mï¿œller (gesang, e-gitarre, rhodes piano, harmonium, sï¿œge),
(rezitation - 3, bass - 12),
(stï¿œbchen, kleinteile, akklamation - 4),
(euphonium - 8),
(altsaxophon - 9),
(bass - 9),
(zither - 10),
(harmonika - 11),
(gitarre - 12)

video: http://www.diestrottern.at/?s=schauen

YouTube-Direktlink

artist website:
http://www.diestrottern.at/

http://www.myspace.com/diestrottern


booking contact:
klemens@diestrottern.at


mukke:

http://www.diestrottern.at/?s=schauen


interview:

http://www.kulturwoche.at/index.php?option=com_content&task=view&id=1643&Itemid=57


discography:

1998 -" Wien bleibt Wien
2003 -" mea ois gean
2009 -" I Gabat Ois



labelinfo:
Wenn die Strottern ihre Zuhörer in die Welt des Wienerlieds entführen, reichen sich Tönze aus dem 16. Jahrhundert und zeitgenössische Lieder ganz unbekümmert die Hand. Ihr Repertoire erstreckt sich von den berühmten --Kremser Alben--, die bis auf das Jahr 1536 zurï¿œckgehen, über Couplets und Gstanzln aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu den Werken des sicherlich populärsten Wiener Liederkomponisten der Nachkriegszeit, Hermann Leopoldi. Verstaubt? Keineswegs! Sowohl mit ihren unangepassten Bearbeitungen der --Klassiker-- als auch mit eigenen Liedern zeigt sich das Zweiergespann überaus zeitgemäße, ja, vielleicht sogar etwas avantgardistisch.

Der Name --Die Strottern-- leitet sich von dem Altwiener Ausdruck --Strotter-- her und steht für --Gauner, Landstreicher oder Strauchdieb--. Das Wiener Mundartwörterbuch liefert eine weitere Erklärung, die auf das Musikerduo wie zugeschnitten zu sein scheint: --Die nach Verwertbarem suchen--. Nichts anderes machen die Strottern, die ins tiefe Wasser des Wiener Liedschatzes nach den sprichwörtlichen Perlen tauchen. Und wenn sie gerade keine finden, dann komponieren sie eben höchstpersönlich.

Wienerlieder sind gesungene Volklieder, klassischerweise von einer Gitarre begleitet. Die Texte drehen sich ums Trinken, um Freunde, um Liebe, Leben und Tod und muten meist etwas melancholisch an, auch wenn hier und da beißender Spott und schwarzer Humor aufblitzen. Die beiden Strottern Klemens Lendl (Gesang, Violine) und David Müller (Gesang, Gitarre) mischen auf --I gabat ois-- das Genre allerdings gehï¿œrig auf. Keine Larmoyanz, keine Weinseligkeit, dafür reichliche Beigaben an Schrägheit, Witz und dissonanten Ausbrüchen.
für --I gabat ois-- haben sich die Herren Lendl und Müller feinste Verstärkung aus der Wiener Szene geholt: Walther Soyka und Vincenz Wizlsperger vom Kollegium Kalksburg sowie Stars der jungen Jazzszene (Lorenz Raab am Mellophon und Wolfgang Schiftner am Altsaxophon). Sie selbst begnügen sich nicht mit ihren gewohnten Instrumenten, sondern fügen Harmonium, Fender Rhodes oder Bandoneon hinzu. Die Vorlagen für einige Texte liefert Altmeister Wilhelm Busch. Und wie schon auf den vorherigen Alben intonieren und interpretieren die Strottern einige Werke des genialen Peter Ahorner.
--I gabat ois-- -" ich gebe alles: Wienerlieder nach Strottern Art nehmen wir jedenfalls sehr gerne an.



Die Strottern gewinnen einen Amadeus-Award!
Die Konkurrenz war groß und das Warten lang. Die Strottern waren in drei Kategorien für den Amadeus nominiert: bester Song --Lumpenlied--, bestes Album --Elegant-- mit der Jazzwerkstatt Wien und --Jazz/World/ Blues---Künstler des Jahres, letzteres sind sie dann auch geworden. Nach dem Austrian World Music Award 2006 und dem Fraunhofer Volksmusikpreis 2009 haben die Strottern dank der Unterstätzung ihrer Fans einen weiteren Preis gewonnen und sind jetzt ganz offiziell "Jazz/World/Blues"-Künstler des Amadeus Austrian Music Award 2009.




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