Jazzanova - Of All The Things

Dienstag, 25. Januar 2022 um 05:25 - futziwolf


Jazzanova : "Of All The Things" : CD/LP : (Verve/ Universal Music) : VÖ 24.10.2008
label/vertrieb:
http://www.universal-music.de/inhalt/musik/
http://www.beatsinternational.com/

Nach mehrmaligen Anläufen das neue JAZZANOVA Album zu besprechen, das überreizte Kritikerohr "Of All The Things" mit Zimmerlautstärke angegangen und dann erst Mal vier Tage Auszeit von allen Musikneuerscheinungen genommen, jetzt also alles noch Mal auf Anfang, die Boxen ausgerichtet, die Balkontür geschlossen, die Absturzgefährdeten Ikonen in den Regalen befestigt und den Verstärker 50 % seiner Kapazität entfalten lassen. Denn hier lohnt es sich all die Schätze, die mit erlesensten Vocalacts versehene, überaus aufwendige und anspruchsvolle Produktion, mit "echten" Instrumenten in Orchesterdimension, der DJ-, Mix- und Samplespezialisten des JAZZANOVA Kollektives in Konzertlautstärke zu genießen.
Hier geht es nicht mehr bloß um nette NewJazz-Chillout-Tracks auf hohem Niveau. JAZZANOVA zelebrieren die ganze Erfahrung ihrer jahrelangen Reisen durch die besten Jazzclubs der Welt und ihre Liebe für das Beste aus Soul, Bossa Nova , Funk und HipHop in komplexen wie wunderbar groovenden Sounds die regelrecht nach Festivalauftritten schreien um sich in den warmen Kompositionen zu sonnen. Die Burner sind sicherlich das funkig soulige "Let Me Show Ya", der Soulüberflieger "I Can See", das zwischen BEN FOLDS und PAUL McCARTNEY lavierende "Lie", das elegische an beste CINEMATIC ORCHESTRA Zeiten angelehnte "Little Bird", die superlässige Rapnummer "So Far From Home" und als Höhepunkt "Morning Scapes". "Of All The Things" ist das Meisterstück von JAZZANOVA. (Einziger Makel: das pottenhäßliche Cover) - großmutter futziwolf
bio/presse:
>>> Lange wurde in einschlägigen Kreisen vom Werk des Jahres gesprochen. Von einer Bombe, die einschlagen wird. Nun, den Jungs von Jazzanova war das zuzutrauen. Wem wenn nicht ihnen? Vor einiger Zeit kam dann die Single "Let me show ya" und mir wurde klar, hier wird in der "elektronischen" Musikszene ein ganz neues Zeitalter eingeläutet. "Let me show ya" ist eine ganz und gar perfekte Soulnummer nämlich. Und dabei sticht neben dem Arrangement vor allem eines heraus: Die Qualität des Sounds: Eine Weite und Dichte, wie ich sie bei Aufnahmen von Curtis Mayfield oder Stevie Wonder kenne. Die Sounds kommen organisch und klar. Einzelne Instrumente fliegen einem links und rechts um die Ohren. Begeisterung macht sich breit. Musik, die mehr ist, als das Komprimieren von Drums und Bässen. "Of all the things" muss als Album des Jahres vermutet werden.
Ich hörte von dicken Büchern über die richtigen Positionierung von Mikrophonen. Monatelang probierte man verschiedenste Möglichkeiten aus. Und die Streicher, zwölf Stück an der Zahl, deren Sound wie von ganz weit rechts kommen soll. Und die Bläser von links. Das genaue Gegenteil von Monotonie, aber auch das genaue Gegenteil vom Bedroom-Producing. Dass hier das eigene Label Sonarkollektiv kaum finanzielle Möglichkeiten hat, um dieses Werk mit all seiner Perfektion umzusetzen, war klar. Man fand mit Verve einen nicht nur ideologisch ganz und gar perfekten Partner. Auf dem Label auf dem zuvor Leute wie Herbie Hancock, Dizzy Gillespie, Billy Holiday, Ella Fitzgerald oder Stan Getz veröffentlichten. Und das sind nur ganz wenige der klingenden Namen. Ich kann mir vorstellen, dass selbst den Jungs von Jazzanova hier zunächst einmal die Luft zum Atmen knapp wurde.
"Of all the things" reiht sich hier musikalisch nämlich ohne Abstriche ein. Ein an Aufwand kaum zu überbietendes Werk. Aufwand, der sich hoffentlich auch lohnen wird. In künstlerischer Hinsicht. Nun steht eine ganz andere Hörerschaft ins Haus. Darunter auch zahlreiche alte Verve Fans, die auf ihren 10.000 Euro Plattenspielern mit einem ganz anderen Zugang als ich oder mein Nachbar an diese Musik herangehen werden. Hier sind die Möglichkeiten gegeben, Jazzanova in die oberste Liga zu katapultieren. Obwohl sie dann der Clubkultur vermutlich verloren gehen werden. Aber im Sinne der Musik würde ich mir wünschen, Jazzanova noch mehr auf dem einen oder anderen Jazzfestival zu sehen. Das tun sie bereits, jetzt wird es aber erst richtig los gehen. Und eine Verjüngung der Festivals sollte nicht bloß in der Optik sondern vor allem im Inhalt stattfinden.
Gäste wie Soul-Legende Leon Ware, der auf diesem Album seinen Klassiker "Rockin you eternally" covern durfte, Dwele, Phonte of Little Brother, Ben Westbeech, Paul Randolph, um nur einige zu nennen, gingen mit auf die Reise durch die Welten von Soul, Bossa Nova, Jazz, Hip Hop und Folk. Einziger Wehrmutstropfen fürs nächste Album, eine Steigerung wird kaum möglich sein! <<< ( http://fm4.orf.at/smoab/224399 )
artist website:
http://www.jazzecho.de/artist_bio_jazzanova_31983.jsp
http://www.sonarkollektiv.com/artists/jazzanova/
http://www.myspace.com/jazzanovask
mukke:
http://www.myspace.com/jazzanovask
video:
http://video.universal-music.de/?vid=4910&g=corporate
bookingcontact:
daniel@best-works.com
discography (Ausschnitt):
http://www.sonarkollektiv.com/artists/Jazzanova/
http://www.kompaktkiste.de/sonar_kollektiv.htm
tour:
17.10. Berlin
26.10. Utrecht (NL)
15.11. Berlin Weekend
21.11. Wien
22.11. Frankfurt
29.11. Freiburg
06.12. Hamburg - Ballsaal
13.12. Berlin -Weekend

albuminfo:
Bei Jazzanova gibt es immer einen Wahnsinns Erklärungsbedarf: "Die ganze Zeit muss man den Leuten erklären, was da jetzt eigentlich der Sinn dahinter ist" sagt Alexander Barck, einer der DJs von Jazzanova, mit einem ironischen Grinsen. "Manchmal ist das komisch für uns, weil wir uns selbst gar nicht diese Gedanken machen. Wir lieben Musik, hören sehr viel Musik : alt, neu - und machen gern Musik. Und das ist es. Ein spielerisches Umgehen damit".
Klingt plausibel, ist aber stark untertrieben. Denn das sechsköpfige Clubkollektiv gehört weltweit zu den gefeierten Innovatoren im Dancefloor, im NuJazz, Broken Beat, im modernen Folk und Soul. Rund um den Globus beten DJs und Vinylfreaks Jazzanova an. Ihre Remixe für Masters At Work, Fat Freddys Drop, 4Hero oder Ursula Rucker sind Kleinode. Aber auch für so verschiedene Künstler wie Lenny Kravitz, Common, Azymuth oder Calexico haben die sechs Berliner gerne das Kunststück gezeigt, unterschiedlichstes Ausgangsmaterial mit Respekt zu behandeln und dabei allem eine unverkennbaren Jazzanova Sound-Signatur zu geben.
Ihr Mentor, der englische Top A&R, Radiomacher und Labelgründer von Talkin Loud, Gilles Peterson, hatte es sofort erkannt und kontaktierte die Jungs direkt nach ihrer ersten Veröffentlichung um einen Remix für die japanische United Future Organisation zu bekommen. Schon kurze Zeit später waren Jazzanova für Jahre "ausgebucht" und eroberten mit ihren Produktionen und Remixen die Dancefloors der Welt und vor allem die Herzen ihrer Zuhörer.
Die Fähigkeit Musik verschiedener Stile auf einen Nenner zu bringen und ihr enormer Aufwand und Einsatz die Möglichkeiten auszuloten und umzusetzen wird nicht nur sehr in der internationalen Musikwelt respektiert, sondern treibt sie auch immer einen Schritt voraus zu gehen. Dabei ist ihre Musik authentisch und funktioniert "ebenso auf dem Montreux Jazz Festival wie auch im illegalen Kellerclub des Cousins deiner Freundin", schrieb WaS-Kulturredakteur Cornelius Tittel. Wo andere Produzenten acht Pseudonyme haben, mit denen sie jeweils in dieselbe stilistische Kerbe hauen, bringen die sechs Berliner immer als "Jazzanova" einen achtbaren, außerweltlichen, unberechenbaren Stilmix heraus.
"Berechnung spielt in diesem Prozess keine Rolle" betont Stefan Leisering. Es interessiert nicht, in welchem aktuellen Genre-Zusammenhang die Musik steht mit der man sich gerade beschäftigt, was das gerade für einen Hipness-Faktor hätte. Der Weg, die Entwicklung seien das Ziel. Es mache Spaß, "auf der Suche nach dem `perfekten` Sound an ganz vielen verschiedenen Stationen vorbeizukommen und die Leute daran teilhaben zu lassen".
"Unsere Musik kann die Leute mit auf eine Reise nehmen", sagt Alexander Barck. "Wenn wir es schaffen, sie damit zu faszinieren, wenn wir Menschen, die, sagen wir, brasilianische Musik nicht mögen (oder das zumindest dachten) dazu kriegen, zu einem Brasil-Track zu tanzen, wenn die sagen: `noch nie gehört, aber Wahnsinn, ist jetzt meine Lieblingsmusik` : das sind die schönen Momente in einer Produktion oder in einem DJ-Set."
Diesen Enthusiasmus, diese selbstbewusste Unbefangenheit, gepaart mit professioneller Ethik hört man sofort auf Jazzanovas neuem, zweiten Studioalbum "Of All The Things" heraus. Es fällt sofort auf, dass Jazzanova wieder mit verschiedenen Stimmen gearbeitet haben und die Mehrzahl männlich ist:
Leon Ware (Soul-Legende und Writer/Producer von Marvin Gayes Album "I Want You") covert : gemeinsam mit Dwele (Solist für Common und Kanye West) : einen eigenen Song von 1981.
Mit Phonte (Rapper der US Hip-Hop-Band Little Brother), kommen Jazzanova zurück zu ihren Hip Hop-Wurzeln.
Der Detroiter Paul Randolph, der Londoner Ben Westbeech und José James aus Minneapolis : letztere brachten beide unlängst ihre Debütalben auf Gilles Petersons Brownswood-Label heraus : oder Dallas (von den Megastars in New Zealand Fat Freddies Drop) sind mit dabei.
Die Liste an Musikern, die für dieses Album aufgenommen wurden, ist so umfangreich, dass man es nicht aufzuzählen könnte. Man denke sich nur, dass Jazzanova in den letzten Jahren allein als DJs wohl mindestens 80 mal um die Welt gefahren sind und dabei von jeder Reise einen Musiker mitgebracht haben.
"Für uns sind zunächst einmal die Komposition, Planung der Songs und Produktion der Instrumentals, das in sich verbundene Album Werk. Wenn wir dann mit den Stimmen arbeiten, dann wählen wir sie natürlich gezielt aus und platzieren sie genau so, wie sie in unsere Vision passen. Wir fügen sie als Elemente in unser Bild ein. Dieses Gesamtbild ist das Album. Eine gesamte zusammenhängende Geschichte, und so wie Instrumentierungen und Stile verschieden sind, sind es eben auch die Sänger. Aber das sind wir und den Zusammenhang kann man hören" sagt Axel Reinemer.
Überhaupt hört, spürt und fühlt man viel beim Durchhören dieser Musik! Es ist viel Soul, die Musik ist lebendig und deep zugleich. Jazzanova haben dieses Album genutzt, um sich und ihre Musik in Songs auszudrücken. Wer ihren Weg verfolgt hat weiß, dass ihr Interesse an Songs im Verhältnis zu dancefloororientierten Produktionen immer weiter gewachsen war und sie mit den Songs auf "Of All The Things" nur konsequent weiter gegangen sind. Schon ihr erstes Album, der Genreklassiker "In Between" von 2002 hatte die Sample- und Beatspezialisten auf die Bühne mit höheren Ambitionen berufen. Zuletzt hatte ihre Produktion für das Musical "Belle et Fou" in 2006 angekündigt, dass Jazzanova sich für ihr nächstes Album viel vornehmen würden.
Songs und umfangreiche Aufnahmen von Instrumenten standen auf dem Plan. Was sie dann allerdings mit "Of All The Things" abliefern, sprengt hinsichtlich der gesamten Produktion den bisher (schon manchmal unheimlichen aber immerhin) bekannten Rahmen. Mit solch einem Set-Up wären wahrscheinlich auch Frank Sinatra oder James Brown zufrieden gewesen. Allein für "Let Me Show Ya" wurden zwölf Streicher, viele weitere Instrumente und ein Hintergrund-Chor mit acht Stimmen aufgenommen. "Der Hintergrundchor ist leise, aber man spürt die Kraft, und deshalb machen wir uns diesen Aufwand" sagt Axel Reinemer.
Und dabei ist ein großer internationaler Sound entstanden; es passiert eine Menge Musik! Über das ganze Album gesehen arbeiten Jazzanova reichhaltig mit Ideen, Soundschichten- und Ebenen. Im Gegensatz zu früher haben Jazzanova auf diesem Album kaum mit Samples gearbeitet. Die Beats kommen aus dem Rechner, aber so gut wie alles andere ist live aufgenommen. Hatten sie auf "In Between" noch dutzende Vinyl-Samples verarbeitet, um ihre Soundvision umzusetzen, so geschieht das jetzt mit Musikern und eigenen Einspielungen.
"Unsere Herangehensweise ist heute anders" sagt Axel Reinemer. "Früher haben wir viele Samples genutzt, um unsere eigenen Soundwelten zu kreieren. Dieselbe Richtung verfolgen wir noch immer und das war auch mit Samples schon viel Soul. Aber unsere Soundwelten schaffen wir uns heute durch Aufnahmen von Instrumenten. Wir können mit diesen Live-Aufnahmen unsere Songs besser und flexibler umsetzen. Wir haben mehr Spielräume, weil Samples eine festgelegte harmonische Umgebung haben".
"Aber natürlich haben Samples auch viele tolle Eigenschaften" sagt Claas Brieler. "Zum Beispiel natürlich den speziellen Klang aus einer anderen Zeit und mit anderem Equipment".
"Aber die Live-Aufnahme ermöglicht viel mehr Arrangements für uns und unsere Songs zu machen. Das heißt trotzdem, dass es immer wieder interessant sein kann, mit Samples zu arbeiten und das haben wir auch auf diesem Album gemacht."
"Wir gehen eigentlich dahin, unsere eigenen Samples zu produzieren" sagt Jürgen von Knoblauch. "Von `Let Me Show Ya` haben wir die Soundwelt zerpflückt (und uns selbst gesampled) um dann `So Far From Home` mit Phonte daraus zu machen. Speziell das Ende haben wir beim Komponieren, Arrangieren und den Recordings schon so angelegt, dass wir es hinterher samplen können. Als Sample konnten wir es dann unseren Bedürfnissen genau anpassen, weil wir ja auf alle Teile separat zugreifen können".
Am Ende : sonst wären Jazzanova nicht Jazzanova : wurden die zig so entstandenen Versionen und Teile auseinander genommen und wie ein Puzzle wieder zusammengesetzt. Das war akribisch und extrem zeitaufwendig. "Wir haben mit dieser Arbeitsweise die Grenzen eingerissen" sagt Stefan Leisering, "unser Ziel war nicht minimal sondern maximal".
Im Gegensatz zu früher wurden die Aufnahmen und Produktion auf vielen analogen Geräten gemacht. "Natürlich nutzen wir viel digitale Technik, aber der Sound den wir suchen finden wir vor allem mit analogen Geräten" sagt Axel Reinemer. Und dazu stellen sich Jazzanova auch gerne einige Tonnen an Mischpult oder Bandmaschinen ins Studio, die natürlich von weit her organisiert werden müssen.
Ihr Aufwand ist gewaltig, aber man hört bei allem den Spaß, mit dem diese unverwechselbare Musik entstanden sein muss. Man geht gerne mit, wenn sich die vollen Harmonien mit seidigen Streichern und Stimmen gepaart über satte Beats und Bässe legen. Es ist ihnen gelungen, Songs zu komponieren, die mitreißen können und durch versierte Arrangements und vielschichtige Soundebenen begeistern.
"DJs und Produzenten haben meistens etwas anonymes, sind nicht als Künstler erkennbar." Und so eine persönliche Handschrift sei ganz schön wichtig, bei der Flut an neuer Musik, die jede Woche wieder über einen hereinbricht.
Darauf angesprochen, ob sie nach den vielen erfolgreichen Jahren nun erwachsener geworden seien und sich mit diesem Album vielleicht auch etwas aus dem Clubleben zurückziehen wollen beantworten alle eindeutig mit der Frage: Was versteht man eigentlich unter Clubmusik? "Wir sehen uns natürlich weiterhin auch im Clubcontext, weil es uns einfach Spaß macht" sagt Alexander Barck. "Aber unser nächstes Ziel ist die Live-Umsetzung unserer Musik und dieses Albums." Und klar, die Songs vom Album funktionieren natürlich auch im Club. "Soul und Hip-Hop ist ja gerade Musik zum Tanzen" sagt Stefan Leisering. "Logisch ist `Little Bird` kein Club-Song, aber wir wollten ja auch kein Dance Album machen."
"Wenn du eigene Songs schreibst, kommst du auf ein größeres Repertoire. Von vornherein mit Live-Instrumenten aufzunehmen, war der nächste wichtige Schritt."



bio:
Vom JAZZANOVA KOLLEKTIV zum SONAR KOLLEKTIV
>>> Internationale Aufmerksamkeit erregen Jazzanova 1997 mit der Uptempo-Jazz-Brasil-Nummer "Fedime`s Flight". Drehscheibe für den Klangkosmos von Jazzanova ist der Club Delicious Doughnuts in Berlin. Hier legen Mitte der 90er Alexander Barck, Jürgen von Knoblauch und Claas Brieler ihren Mix aus Jazz, Latin und House auf. Als gestandene Großstadt-DJs will man dem Trend, zu remixen und selbst zu veröffentlichen, nicht hinterherlaufen. Zusammen mit dem Hip-Hop-Produzenten Rosko Kretschmann (Kosma) fertigt man erste eigene Tracks für die Delicious Doughnuts-Compilations.
Für die zweite Auflage des Club-Samplers verweist Rosko aus Zeitgründen auf seine Freunde Axel Reinemer und Stefan Leisering, die zusammen bereits unter den Pseudonymen "Extended Spirit" und "Pathless" veröffentlichten. Da die Erscheinung der zusammen produzierten Titel jedoch gefährdet ist, gründen die Discjockeys kurzer Hand ein eigenes Label (Jazzanova Records), integrieren die drei Produzenten in die Band und geben ihrem Kind den Namen Jazzanova.
Der Rest liest sich ebenso gut wie er sich anhört. Durch die Connections zu Compost-Chef Michael Reinboth erreicht "Fedime`s Flight" die Ohren und Plattenteller der angesagten europäischen Nu-Jazz-DJs. Es folgen internationale DJ-Jobs und Remixaufträge für Marshmellow, Visit Venus, Karma, UFO, 4 Hero und Ian Pooley. Diese werden auf diversen Samplern und einer ersten EP veröffentlicht. Eigene Compilations und die Gründung des Sonar Kollektivs runden die Palette ab.
Die damalige Philosophie erläutert Claas: "Wir benutzen als Inspirationsquelle viele Jazzplatten, Brasilplatten, Latinoplatten, Boogie, Soul, Folk, Soundtracks und rocklastige, experimentelle Fusion-Sachen aus den 70ern. Wir versuchen, das in Formate umzusetzen, die heute benutzt werden: House, Drum`n`Bass, Jungle, Trip Hop, Nu Jazz, Hip Hop und soweiter". Dass dieser Versuch gelungen ist, beweist der eindrucksvolle Output der Berliner.
Nach dieser Gründungsphase vergehen viele erfolgreiche Jahre, bis Jazzanova ihr offizielles Debütalbum "In Between" präsentieren. Ursprünglich für 2000 angekündigt, erscheint das geniale und untypische Hörwerk im Frühjahr 2002. Immer wieder von Remixaufträgen (Calexico, Rainer Trüby, MJ Cole, Liquid Lounge, Incognito, Eternal Sun, King Britt feat. Ursula Rucker, Koop, Roy Davis Junior ... ) unterbrochen, feilen sie ein Album zurecht, das getrost als perfekt bezeichnet werden kann. Weg vom Latin-Jazz, der zu ihrem Markenzeichen wurde, überzeugt "In Between" durch abwechslungsreiche und vertrackte Programmierung, die sich nicht mehr einem bestimmten Stil verpflichtet.
Nach zwei weiteren Remixalben (Playlist, "... Mixing") adelt 2005 das renommierteste aller Jazzlabel, Blue Note, das Jazzanova-Kollektiv. Die ehrenvolle Aufgabe lautet, die vierte Ausgabe der Label-Serie "Blue Note Trip" zu kompilieren und bei der Gelegenheit behutsam die Remix-Hand anzulegen. Sie beinhaltet das Privileg, sich in den Archiven der Plattenfirma hemmungslos bedienen zu dürfen. Dieser Job gehört zu den ehrbarsten, den die Jazzwelt zur Verfügung stellt.
Ambitioniert und ideenreich werden die Jazzanova-Mannen dieser Aufgabe gerecht und präsentieren ein abwechslungsreiches Doppelalbum. Rare-Groove-Klassiker und latinophile Fundstücke bilden die Ausgangsbasis für ihre Reise in die Jazzvergangenheit. Souverän und kenntnisreich stellt sich die Songauswahl dar. Einfühlsam bereiten sie die auserkorenen Jazzschätze für die nächste Generation auf und verpassen ihnen ein zeitgemäßes Klangkostüm. <<<

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