OCOTE SOUL SOUNDS - The Alchemist Manifesto

Dienstag, 25. Januar 2022 um 06:36 - futziwolf


Ocote Soul Sounds : "The Alchemist Manifesto" : CD - (ESL) - VÖ - 13. Juni 2008
label/vertrieb:
http://eslmusic.com/artist/ocote_soul_sounds
http://www.beatsinternational.com/
http://www.soulfood-music.de/

mukke:
http://www.myspace.com/ocotesoulsounds
Jetzt, wo das Ruhrgebiet sich langsam aber stetig den klimatischen Bedingungen subtropischer Gebiete angleicht, kommt diese Platte gerade richtig. "The Alchemist Manifesto" von Ocote Soul Sounds ist der Schweiß, der dir die Schläfen herunterrinnt und die leichte, abkühlende Brise des Gewitterschauers am Abend. Mehr als die bappenden Füße im Sitzen oder das dezente hin- und herwiegen des Körpers im Stehen verlangen die durchgehend im Downtempobereich angesiedelten Stücke nicht.
Falls noch nicht bekannt, Ocote Soul Sounds sind Martin Perna und Adrian Quesada, die wir dem geneigten Hörer als Musiker und Produzenten ganz besonders an Herz legen möchten. Ihre ausufernden, Latin-, Afro-Jazz und Electro vereinenden Kompositionen, die perfekt traditionelle Instrumente und das Equipment des 21ten Jahrhunderts vereinen, erinnern zuweilen an 4Hero Produktionen. Einzige Minuspunkte des Albums: das etwas karg ausgeführte Digipack ohne Booklet und einige etwas merkwürdig ausgeblendete Stücke. Ansonsten: Ohren öffnen, Augen schließen : genießen und auf die Ankündigungen der Sommerfestivals achten. Live ist von Ocote Soul Sounds einiges zu erwarten.
- großmutter futziwolf
bio:
>>> Die beiden Musiker und Produzenten Martin Perna (aka Ocote Soul Sounds) und Adrian Quesada sind einmal mehr aus dem Schatten ihrer beiden Bands Antibalas und Grupo Fantasma herausgetreten, um uns auf eine weitere Reise durch ihre tropisch-psychedelischen Soundlandschaften mitzunehmen, die sie auf ihrem neuen Album "The Alchemist Manifesto" nicht nur perfektioniert, sondern auch zu einem ihrem Ruf vorauseilenden Markenzeichen erhoben haben.
Wie schon auf ihrem ersten Album "El Niño y el Sol" setzen sich die Beiden darauf erfolgreich über jegliche Form kreativer Einschränkung hinweg, zelebrieren die musikalische Aufsässigkeit und vereinen Gegensätze und Widersprüche zu einer fesselnden Melange aus unbändiger Spielfreude und Eigenständigkeit. So ist der Sound organisch und elektronisch zugleich, düster und hoffnungsvoll, kämpferisch und sanftmütig : um nur einige der Konträr-Attribute zu nennen, die auf "The Alchemist Manifesto" geschickt miteinander verwoben wurden.
So findet sich unter den elf Stücken beispielsweise das epische Afro-Jazz-Intro "The Grand Elixir" mit Todd Simon (Breakestra, Dakah, Connie Price & The Keystones), einem langjährigen Freund und musikalischem Mitstreiter der Beiden, dessen sagenumwobenes Blechbläser-Spiel wahrhaft grandios zu nennen ist. Dazu gesellen sich Songs wie das hymnenartige "La Reja", in dem die immer noch existente Rassentrennung in unserer angeblich so fortschrittlichen Gesellschaft angeprangert wird, sowie eine vernebelte Electro-Version des afro-kolumbianischen Klassikers "Pescador". Hier trifft der packend-globale Sound des Südens auf die geballten Errungenschaften des 21. Jahrhunderts und zerschmilzt darin zu einer alles erfassenden Supernova aus Innovation, Tradition und Leidenschaft.
Kennengelernt haben sich Quesada und Perna erstmals 2003 in Brooklyn, wo sie für eine kurze Zusammenarbeit im berühmten Studio von Ticklah aufeinandergetroffen sind. Doch in diesem Moment lag etwas Magisches in der Luft, sodass die Beiden gar nicht anders konnten, als ihre musikalischen Eingebungen und Visionen fortan in eine gemeinsame Form zu gießen. So tauschte man seitdem ständig Song-Ideen hin und her, bis Martin bei einer Fahrt von Brooklyn nach Mexiko in seinem mit Rapsöl betriebenen Mercedes im Winter 2004 plötzlich einen Motorschaden hatte und ausgerechnet in der Nähe von Adrian Zuhause in Austin, Texas liegenblieb. Das war ein Wink des Schicksals, sodass man sich für zwei Wochen einschloss und man von außen nur noch kreative Funken sprühen sah. Und bevor sich überhaupt einer von Beiden wirklich bewusst war, was da gerade vor sich ging, hielt man schon das fertige Album "El Niño y el Sol" in Händen. Veröffentlicht wurde es erstmals als reine Underground-LP, bis sie letzten Endes von der Thievery Corporation entdeckt und 2005 bei ESL Music re-released wurde.

Wie schon "El Niño y el Sol", ist auch "The Alchemist Manifesto" unter besonderen Umständen und mit außergewöhnlichen Mitteln entstanden - so haben nicht nur Laptops, Keys und Synthesizer Einzug ins Soundbild erhalten, sondern ebenso Bambusflöten, alte Kassettendecks und verschiedene Schalen aus dem heimischen Küchenschrank. Der Produktionsprozess selbst hat sich über eine Zeitspanne von 2005 bis 2007 gezogen, in der sich Quesada und Perna intensiv mit dem Kreislauf aus Geburt, Tod und Erhebung beschäftigt haben, was auch Einzug in ihre Stücke erhalten hat. Miteinander Musik zu machen, Songs zu schreiben und gemeinsame Ideen auszuarbeiten hat die entstandene Anspannung solch tiefsinniger Experimentierphasen zu erlösenden und transformativen Erlebnissen werden lassen, von dessen Erfahrungen beide Akteure auch heute noch zehren. Und zwar nicht nur im Zuge der Ocote Soul Sounds-Sessions.
Schließlich sind ihre musikalischen Fähigkeiten sehr viel weitreichender und allseits geschätzt, denn ihr Talent hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet und sich bis in die hintersten Winkel des Planeten herumgesprochen. So ist Martin Perna nicht nur Gründer der Band Antibalas, sondern gehört auch zur Originalbesetzung von Sharon Jones And The Dap Kings, die immerhin schon von Amy Winehouse und Mark Ronson als Live-Kapelle bei diversen Top-Gigs verpflichtet wurden. Zudem stehen so illustre Namen wie Scarlett Johansson und TV On The Radio auf der Liste derjenigen Künstler, die für die Produktion ihrer Platten nicht auf den markanten und einprägsamen Flöten- und Saxophon-Sound Pernas verzichten wollten.
Quesada wiederum war maßgeblich an der Entstehung der Latin-Kombo Grupo Fantasma und dem Funk-Phänomen Brownout beteiligt, hat einen Großteil seiner Zeit 2007 in den Dienst von keinem Geringeren als Prince gestellt und gerade kürzlich noch mit Fania All-Star-Pianisten Larry Harlow aufgenommen. Nicht zu vergessen, seine Arbeit als Komponist und Musical Supervisor für den Soundtrack der texanischen, mit diversen Preisen ausgezeichneten B-Boy-Dokumentation "Inside The Circle".
Doch das gelebte Tausendsassatum der Beiden muss man nicht nur im Studio, sondern vor allem auch auf den Bühnen dieser Welt mit einem dicken Ausrufezeichen versehen - denn auch live sind Ocote Soul Sounds und Adrian Quesada eine Macht. Schließlich steht man am Ende nicht nur zu zweit vor tosendem Publikum, sondern hat sich ein formidables Septett furioser Multi-Instrumentalisten zusammengeklaubt, dass seine Fähigkeiten bereits auf dem Fun Fun Fun Fest und dem Austin City Limits Festival mehr als eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Auch zum Release von "The Alchemist Manifesto" sind bereits einige Gigs geplant, bei denen die Truppe im Sommer und Herbst 2008 sicherlich das ein oder andere musikalische Feuerwerk abbrennen werden.
Ocote Soul Sounds und Adrien Quesada haben es also wieder einmal getan und ein freakig-funkiges Elexier aus hochexplosiven Zutaten zusammengemixt, das in seiner Gesamtheit wahrlich wahnsinniger und manisch magischer erscheint, als es die berühmte Summe seiner Teile auf die erste Kick zunächst vermuten lassen würde.
Ohren öffnen, Augen schließen : genießen. <<<
artist website:
http://www.myspace.com/ocotesoulsounds
http://www.ocotesoul.com/index2.php


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