Science-Fiction, Kriegskino und Krieg der Zukunft. Teil 1:

Sonntag, 30. April 2017 um 20:33 - futziwolf
Science-Fiction, Kriegskino und Krieg der Zukunft. Teil 1: Fiktionen
unter dem Vorzeichen der Revolution in Military Affairs

- Batmans Rüstungsfabrik

Peter Bürger 14.10.2006


Film-Fiktionen über die Zukunft unserer Spezies sind keineswegs nur
unterhaltsame Spielereien. Sie sagen etwas aus über das
Selbstverständnis der menschlichen Zivilisation, über deren Träume und
Ängste, über vorherrschende Denkrichtungen und reale technologische
Entwicklungen. Sie können unsere Phantasieräume erweitern oder
begrenzen. Sehr viele Science-Fiction-Filme gehören im Grunde zum
Kriegskino. Daneben gibt es Kriegs- oder Agentenfilme mit
futuristischen Elementen, die Berührungspunkte zum
Science-Fiction-Genre aufweisen. Kritische Potenzen sind aus der
Geschichte von Science-Fiction nicht wegzudenken, doch sie spielen in
der kommerziellen Massenkultur der Gegenwart keine nennenswerte Rolle.
Durchgesetzt haben sich vor allem solche Filmbeiträge, die sich der
"Logik" des militärischen Denkens unterwerfen. Filmische Fiktionen und
die Ideologie einer durch "Zukunftstechnologie" revolutionierten
Kriegsführung gehen Hand in Hand.

Bei der Sichtung dieses Film-Komplexes stellt sich vorab die Frage nach
dem Begriff einer zweckfreien Unterhaltungskunst. Um den Fängen
endloser Sophistereien zu entgehen, soll diese Frage entlang konkreter
Filmbeispiele zur Sprache kommen. Die Vorstellungen von guter
Unterhaltung gehen weit auseinander. Spaß und Lust am kurzweiligen
Medienereignis sind auf jeden Fall gefragt. Für den einen stehen z.B.
optische Sensationen im Vordergrund, für den anderen ist Tiefsinniges
belebend. Sehr wenige Zuschauerinnen und Zuschauer haben etwas dagegen,
das Kino mit Anregungen zu verlassen. Man möchte gut oder besser leben
und am liebsten glücklich sein. Jede Ahnung davon ist willkommen.
Existentielle, philosophische, gesellschaftliche und zivilisatorische
Dimensionen können im Kino berührt werden. Viele fiktionale
Kulturbeiträge beleuchten die klassischen Grundfragen: "Was können wir
wissen? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen? Was ist der Mensch?"
In der Science-Fiction geschieht das von einem utopischen Standort aus
bzw. auf dem Feld einer vorweggenommenen Zukunft und auf Zukunft hin.

Star Trek: Visionen vom Fortschritt des Menschengeschlechts

Science-Fiction eröffnet auf diese Weise der Phantasie und dem Denken
eine Wirklichkeit, in der "nie zuvor ein Mensch gewesen ist".[1] Dabei
wird - wie in der klassischen utopischen Literatur - auch ansichtig,
was wir wollen bzw. was wir uns wünschen.

Wenn sich religiöse Hoffnungshorizonte in eine betont weltliche
Zukunftshoffnung verwandeln, ist es sehr entscheidend, ob die
Verheißung eines Friedens-Millenniums oder Prophezeiungen von einer
kommenden Schreckenszeit die Richtung vorgeben. Für den optimistischen
Typ von Science-Fiction stehen die TV-Serien und Kinofilme des "Star
Trek"-Komplexes, sofern sie der Vorstellungswelt ihres Erfinders Gene
Roddenberry (1921-1991) treu bleiben. Zu dessen humanistischem Ideal
gehören "das Eintreten für die Freiheit der Individuen, der Respekt vor
der Andersheit der Anderen, die Verdammung von Unterdrückung und
Gewalt, die Sorge um den Frieden und die Wachsamkeit gegenüber
totalitären Strukturen."[2] Der intergalaktische Humanismus im "Star
Trek"-Universum zeugt von einem US-Amerikanismus, der eine "New
Frontier" im Sinne John F. Kennedys überschreiten möchte. Die
unantastbare Menschenwürde des Einzelnen, gemeinschaftliche Werte und
technologische Innovation verbinden sich. Bürgerrechte,
emanzipatorische Demokratievorstellungen, Antiapartheid-Bewegung und
schließlich ökologische Themenstellungen werden in den Drehbüchern
bedacht. Die Föderation der Vereinten Planeten steht für eine
multinationale, geeinte Menschheit. Deren "Oberste Direktive" zielt auf
ein Prinzip der Nichteinmischung, das noch viel radikaler ist als die
heute durch hegemoniale Rechtsverdrehung in Frage gestellte Charta der
Vereinten Nationen von 1945. Die Grundidee besteht aus einer positiven
Utopie des Friedens, der nichts ferner liegt als ein "Krieg der
Kulturen".

Freilich werden auch die destruktiven Potentiale der Zivilisation in
die Zukunft hinein verlängert. Die Cardassianer stehen für
Rohstoffimperialismus und das Gesellschaftsmodell des
Überwachungsstaates. Bei den Klingonen ist das tragische Ideal von
"Kriegerehre" anzutreffen. Das oberste Prinzip der Ferengi zielt auf
Gewinnanhäufung. Wirtschaftswachstum und Profit gelten ihnen als Maß
aller Dinge. Die aufgeklärte Religionskritik der frühen "Star
Trek"-Folgen öffnet sich später nicht nur "spirituellen" Sichtweisen,
sondern nimmt die Gefahren des Fundamentalismus ins Visier. Der
Standort gegenüber all diesen Phänomenen ist eindeutig: Rücksichtsloser
Kapitalismus, Missachtung des Rechtes, religiöser Fanatismus jeglicher
Couleur und militärische Gewaltsysteme sollen nicht sein.

Zu den Gegenwartsthemen einer optimistischen Science-Fiction gehören
die Überwindung des Steinzeitprogramms "Krieg" im Atomzeitalter, eine
globale Dialogkultur ohne zentralistische Lenkung aller Lebensräume,
ökologie- und demokratieverträgliche Formen des Wirtschaftens,
Wasserversorgung und erneuerbare Energien. Angesichts einer
Nahrungsmittelproduktion, die bereits heute alle Menschen und noch viel
mehr ernähren könnte, ist die alte Schlaraffenland-Utopie eigentlich
schon überholt. Was fehlt ist hingegen die Vision einer sozialen
Intelligenz im globalen Maßstab. Über 40 Millionen Menschen sterben
Jahr für Jahr an den Folgen von Unterversorgung. Das ist mit Abstand
der größte "Kriegsschauplatz".



Was wir nicht wollen: Eine düstere Zukunft

Anders als der utopische Gegenentwurf eröffnet die negative Utopie mit
ihren Ahnungen von einer möglichen Zukunft Ausblicke auf das, was wir
nicht wollen. Hier kann es auf der Grundlage bestehender Tendenzen der
Zivilisation zu Warnungen kommen, die sehr ernst zu nehmen sind. So
nahm der Dichter Jean Paul "bereits 1809 in seiner `Kriegserklärung
gegen den KriegŽ, einer ersten literarischen Schreckensvision
zukünftiger Waffeninnovationen, eine Erfindung vorweg, die an das
Maschinengewehr des Ersten Weltkrieges erinnert. Sein `Mechanicus
HenriŽ entwickelt eine Flinte, `welche nach einer Ladung 14 Schüsse
hintereinanderŽ abgeben kann, und kommentiert die Idee mit den
sarkastischen Worten: `Welche Zeit wird hier dem Morden erspart und dem
Leben genommen.Ž"[3]

Interessant ist, dass einige bedeutsame Negativ-Utopien im Kino die
moderne Elektronik nicht in den Mittelpunkt stellen. Chips oder
Mikroprozessoren, die sich hinter letztlich funktionslosen
Designer-Hüllen verbergen, muss die Kamera stark vergrößern, damit sie
für uns sichtbar werden. Kinotitel wie "Fahrenheit 451" (GB/USA 1966),
die Orwell-Verfilmung "1984" (GB 1984) von Michael Radford, "Brazil"
(GB 1984), "La Cite des Enfantes Perdus" (Die Stadt der verlorenen
Kinder, 1994) oder "Dark City" (USA 1997) zeigen jedoch viel Mechanik
oder gar alchimistisches Inventarium. Einerseits verweist die
funktionale (oder pseudofunktionale) Ästhetik auf eine mechanistische
Nostalgie, auf eine durchaus sinnliche Liebe zum "Räderwerk".
Andererseits wird an die Angst vor der Maschine angeknüpft, die viel
älter ist als das EDV-Zeitalter.

Der biblische "Nabi" (Prophet) ist ein politischer Aufklärer und
Warner. Wie er wollen auch kritische Filmemacher in ihren fiktionalen
Schreckensgebilden keineswegs den Untergang herbeisehnen. Sie zeigen
vielmehr, was kommen wird, wenn wir unsere Großhirnrinde nicht
gebrauchen. Davon strikt zu unterscheiden sind jene Beiträge im
Endzeitkino, die in die Fußstapfen religiöser Unheilsprophetien (1)
vom apokalyptischen Typ treten und den Untergang wollen. Eine
postnukleare Filmapokalypse kann z.B. - statt die Atombombe als
Wahnsinn zu entlarven - der Katastrophe eine gewisse Unvermeidbarkeit
bescheinigen.[4] Ökonomische, politische oder militärische
Gegenwartsentwicklungen werden in diesem Fall einfach bis hin zum Ende
dieser "alten Welt" (oder auch darüber hinaus) verlängert. Der große
Knall bereitet dann der Fiktion und dem "neuen Leben" den Boden.

Auch der viel gelobte Klimakatastrophen-Film "The Day After Tomorrow"
(USA 2004) von Roland Emmerich, bei dem das Pentagon kooperiert hat,
gehört letztlich diesem Apokalypse-Typ an. Die Ursachen des
Klimawandels werden darin dem Energieverbraucher denkbar schonend
vermittelt. Praktikable Lösungen scheint es nicht zu geben. Das große
Unheil kommt wie eine Naturgewalt, kann also digital inszeniert werden.
Ein US-Vizepräsident, der zuvor völlig uneinsichtig war und nur die
Belange eines florierenden Wirtschaftswachstums gelten lassen wollte,
wird danach mit dem höchsten Staatsamt belohnt. Als Sprecher der
Supermacht kann er nun jovial ärmeren Nationen Partnerschaftlichkeit
anbieten. (Der Grund: Das Klima dieser Länder ist bekömmlicher als die
nordamerikanische Eiszeit.) Die unausgesprochene Prämisse lautet: Die
Zivilisation ist trotz aller wissenschaftlichen Prognosen unfähig,
umzukehren. Solange der Schrecken noch nicht ganz real über uns kommt,
kann es keine Einsicht und keinen Lernprozess in der menschlichen
Gesellschaft geben. Auf dem verwüsteten und überschwemmten Planeten
wird man also wie im Film "Waterworld" (USA 1994/95) einmal sagen
müssen: "Unsere Vorfahren haben etwas Schreckliches getan. Sie sind
schuld am Wasser, viele hundert Jahre ist das her." Science-Fiction
wäre es, wider alle Wahrscheinlichkeiten der empirischen Soziologie
eine Welt zu zeigen, in der dies nicht eintrifft.

In Zusammenhang mit den gegensätzlichen "apokalyptischen
Filmintentionen" ist es bezeichnend, wie der subversive Kinoklassiker
"The Planet Of The Apes" (USA 1967) von Franklin J. Schaffner für die
Bedürfnisse einer kriegerischen Weltordnung gezähmt worden ist. In
Schaffners Science-Fiction-Film hatte man dem 20. Jahrhundert, dieser
Epoche verheerender Kriege, keine Träne nachgeweint. In Tim Burtons
Remake "The Planet Of The Apes" (USA 2001) kann der Held im Weltraum
wieder den alten militärischen Messianismus zum Besten geben: "Ich
komme von der U.S. Air Force und dahin gehe ich auch zurück!"

Gemessen am weltweiten Rüstungsetat von 950 Milliarden Euro können die
Budgets für praktische Kriegsprävention, Einrichtungen der
Friedensforschung und wissenschaftliche Bemühungen um intelligente
zivile Konfliktlösungsstrategien eigentlich nur als marginale
Spielwiesen bewertet werden. Allein der Umstand, dass in genauer
Entsprechung dazu die allermeisten "futuristischen Film-Fiktionen"[5]
alternativlos eine kriegerische Zukunft zeigen, macht sie zu
Handlangern der Militarisierung. Die Esel stellen sich ihren "Gott"
stets als Esel vor. Die Krieger sind nur bereit, von überlegenen
Kriegern zu lernen. Wer aber sagt, dass Außerirdische uns unbedingt als
Krieger aufsuchen müssen? Die besten Science-Fiction-Autoren üben sich
jedenfalls nicht in solcher Beschränktheit.

Eine Science-Fiction, die sich dem vorherrschenden Denken und der Macht
unterwirft, hat sich bereits selbst beerdigt. Sie ist das bloße
Abziehbild einer Zivilisation, die ihre geistigen und materiellen
Ressourcen unverdrossen dem Krieg in den Rachen wirft statt sie zur
Lösung von Überlebensfragen zu nutzen. Subversive Science-Fiction hält
an der Möglichkeit fest, dass der "Große Bruder" trotz Folter und
Gehirnwäsche am Ende nicht erfolgreich ist. Sie verweigert sich den
Ferengi und Cardassianern, weil deren Maximen für das Leben auf unserem
Planeten nur schreckliche Aussichten bereithalten.





Revolution in Military Affairs: Die Utopie totaler Beherrschbarkeit

Was jedoch einem Jean Paul vor 200 Jahren noch als Schrecken erscheinen
mochte, kann von interessierter Seite heute auch wie eine positive
Utopie verkauft werden. Militärische Innovationen rücken dann ins
Zentrum eines Heilsversprechens, dessen Erfüllung durch modernste
elektronische Technologie schon zum Greifen nahe ist: Die eigenen
Soldaten brauchen sich um ihr Leben nicht mehr zu sorgen. Zivilisten im
angegriffenen Land bleiben verschont, weil es unbegrenzte
Aufklärungstechnologien, Präzisionswaffen oder gar neue
"nicht-tödliche" Kampfmethoden gibt.

Das alte strategische Problem vom "Nebel des Krieges" ist durch
lückenlose Informationsbeschaffung und Datenverfügbarkeit im
"Information War" gelöst. Man verfügt über alle denkbaren Methoden des
"Cyberwar", gegen die man selbst freilich immun ist. Im Rahmen der
modernen Kommunikationstechnologie stellt auch die neue "psychologische
Kriegsführung" hinsichtlich ihrer Reichweite und Wirkungsintensität
alle geschichtlichen Vorläufer in den Schatten. Wenn Erdkreis und
Weltraum erst einmal flächendeckend mit der entsprechenden Logistik
überzogen sind, vollzieht sich die Kriegsführung in allen genannten
Dimensionen vollkommen ferngelenkt. Von einer sicheren Befehlszentrale
aus kann an jedem Punkt des Globus ohne jede Zeitverzögerung operiert
werden. Unverwundbarkeit und Erpressungspotential sind dabei natürlich
etwas Exklusives auf der eigenen Seite, denn anders kann es die
Kombination von beidem ja gar nicht geben.

Utopien dieser Art nährt seit den 1980er Jahren vor allem in den USA
die so genannte "Revolution in Military Affairs" (RMA). In einer
denkwürdigen Rede (2) ist nachzulesen, mit welchen Konzepten z.B. der
Gouverneur George W. Bush jun. am 23.9.1999 die komplexen Weltprobleme
zu lösen gedachte:

--A chance to project AmericaŽs peaceful influence, not just across the
world, but across the years. This opportunity is created by a
revolution in the technology of war. Power is increasingly defined, not
by mass or size, but by mobility and swiftness. Influence is measured
in information, safety is gained in stealth, and force is projected on
the long arc of precision-guided weapons. This revolution perfectly
matches the strengths of our country - the skill of our people and the
superiority of our technology. The best way to keep the peace is to
redefine war on our terms.--

In Europa, etwa in Frankreich (3), wird die RMA-Ideologie modifiziert
aufgegriffen. Der mangels Zustimmung der Menschen vorerst gescheiterte
"Verfassungsvertrag" der EU sah eine kontinuierliche "Verbesserung der
militärischen Fähigkeiten" und eine gemeinsame Rüstungsagentur (später
euphemistisch umbenannt in "Verteidigungsagentur") vor. Nur durch
wirtschaftlich-wissenschaftliche Kooperation kann die EU mit den
US-Plänen zu einer "revolutionären" zukünftigen Kriegsführung Schritt
halten.

Die US-amerikanische Utopie einer militärischen Beherrschung und
Kontrolle des Globus hat im Bushismus eine eigene Prägung erhalten.
Abgesehen von der ungebrochenen Technologiegläubigkeit erinnert
vordergründig auch die politische Rhetorik noch an den
zivilisatorischen Optimismus im "Star Trek"-Komplex. Indessen ist das -
ursprünglich besonders den Republikanern sehr vertraute - Prinzip der
Nichteinmischung mit dem Konzept einer missionarischen
Zwangsdemokratisierung anderer Länder endgültig verabschiedet worden.
Überhaupt stehen sämtliche Ideale eines Gene Roddenberry zur
Disposition. Die Kombination lautet nicht mehr
"Technologie-Zivilisationsoptimismus-Humanismus-Weltfrieden", sondern
"Technologie-Zivilisationspessimismus-Menschenrechtsrelativismus-Weltkri
eg". Religiöse Unheilsprophetie, dualistisches Weltbild und ein "Kampf
der Kulturen" bilden die ideologische Basis, auf der das Programm
militärischer Welt- und Rohstoffkontrolle samt Finanzierung weiterhin
durchgesetzt werden soll.

Das "National Security Cinema" (Jean-Michel Valantin), mit dem
Hollywood den strategischen Diskurs, die Entwicklungen im US-Militär
und die "Nationale Sicherheitsdoktrin" flankiert, hat die "Revolution
in Military Affairs" seit ihrem Aufkommen in der Massenkultur fest
verankert.[6] Risiken und Nebenwirkungen tauchen - zumal in
Pentagon-geförderten Filmen - nicht auf. Wir brauchen dringend ein
Science-Fiction-Kino, das uns die Szenarien von Zukunftskriegen
anschaulich und kritisch vermittelt. Ein solches Kino könnte dazu
beitragen, dass die Gesellschaft einen ethischen Diskurs über den
"Zukunftskrieg" nicht erst beginnt, wenn die vielfältigen RMA-Produkte
die geheimen Waffenlabors schon verlassen haben und längst in Serie
gegangen sind.




Exkurs: Medientechnologie und Fiktion in den Fängen des Kriegsapparates

Moderne elektronische Informations- und Medientechnologie ist die
zentrale Säule der "Revolution in Military Affairs". Die technologische
Verflechtung mit dem Krieg hat eine lange Vorgeschichte. "Die ersten
Filme waren stumm, erst `die Koppelung der Mechanismen von
Maschinengewehr und FilmtransportŽ brachte nach dem Krieg (1928) den
Tonfilm."[7] Unter Bezugnahme auf die besonders von Paul Virilio ins
Blickfeld genommenen Zusammenhänge meinte Georg Seeßlen 1989[8]:

--Die Verbindung von Showbusiness und Krieg ist keine Erfindung des
zwanzigsten Jahrhunderts, wohl aber ist die zunehmende Ähnlichkeit der
Instrumente und Methoden der kriegerischen und der unterhaltenden
Wahrnehmung erst in den Kriegen unseres Jahrhunderts zutage getreten.
[...] Die spätere Zivilisierung der Wahrnehmung wie des technologischen
Produkts kann nie mehr seinen militärischen Ursprung völlig verlieren.
Das Kino `siehtŽ also nicht deshalb wie eine Kriegsmaschine, weil wir
gar nicht anders als militärisch sehen könnten, sondern deshalb, weil
es seinen Blick den Technologieschüben verdankt, die zivil nicht zu
erlangen sind.--

Heute kann umgekehrt eine einzelne Großproduktion für das Kino zur
Verbesserung der militärischen Ausstattung beitragen: "The cooperation
between civilians and the military [...] can have unexpected
consequences. During the filming of James Camerons "Abyss" (1989) new
types of underwater cameras were developed which were then adopted by
the Navy."[9]

Die Filmindustrie kommt somit nicht nur als Sprachrohr bestimmter
Interessen in Frage, sondern auch ihrerseits als innovative Anregerin
für Militärisches. Speziell die Fiktion spielt dabei eine große Rolle.
Bekanntlich gab es lange vor der ersten Mondfahrt literarische und
filmische Fiktionen von einem solchen Unternehmen. Auch in
vergleichsweise weniger spektakulären Angelegenheiten kann das
Fiktionale als Ideenwerkstatt fungieren. Der Erfinder des elektronisch
überwachten Hausarrestes (EMHC, electronically monitored home
confinement), "ein Haftrichter aus New Mexico, räumt freimütig ein,
dass er die Idee zu diesen Sendern aus einem 1979 erschienenen
Spiderman-Comic übernahm."[10]

Jean-Louis De Gay vom "U.S. Army Systems Center" verrät uns, dass die
Anregung zu einzelnen Bestandteilen des "Futur Warrior 2025 Concept"
geradewegs aus dem Science-Fiction-Kino kommt[11]:

--Dieses windschnittige System ist die Zukunft, und im Grunde ist es
dem Film Predator mit Arnold Schwarzenegger entnommen. Als wir sahen,
was der Außerirdische da konnte, zum Beispiel wie ein Chamäleon sein
Äußeres der Umgebung anpassen und unsichtbar werden, dachten wir
sofort, dieses großartige Konzept für unsere Soldaten zu übernehmen.--

Die Kreativen aus dem Unterhaltungssektor werden schließlich nicht nur
bei der Produktion von Computersimulationen für das Militär gebraucht,
sondern gelten auch als Experten, die beim Durchspielen möglicher
Terrorstrategien weiterhelfen können.




Die Rüstungsindustrie als Wohltäter der Menschheit

Neben der kreativen Assistenz betreibt das Kino auch ganz direkt
Werbung für die Rüstungsbranche als solche. Die
Militärtechnologie-Komödie "Best Defense" (USA 1983), in welcher der
Golf-Krieg von 1991 mehr als ein halbes Jahrzehnt im Voraus
stattfindet, folgt bis ins Detail hinein Argumenten der RMA-Ideologen
und versteckt dies hinter vermeintlicher Kritik an einem kalifornischen
Rüstungskonzern: Wenn "Dynatechnics Incorporated" 1982 ein innovatives
Raketenleitsystem voreilig - und funktionsuntüchtig - in Serie gibt,
werden US-Soldaten im Panzer die irakischen Feinde mit ihren Raketen
nicht treffen, ihre Kameraden nicht befreien können und selbst
umkommen. Glücklicherweise wird jedoch für das Raketenjustiergerät
rechtzeitig ein Überhitzungsschutz erfunden und dank eines couragierten
Mitarbeiters auch eingebaut.

Im 21. Jahrhundert werden die Werbespots der Sicherheits- und
Rüstungsindustrie zum täglichen Bildschirmprogramm gehören. So zeigen
es bereits der Bankräuber-Science-Fiction "Velocity Trap" (USA 1997)
und "Starship Troopers" (USA 1997) von Paul Verhoeven. Den Vogel
schießt neuerdings die Comic-Verfilmung "Batman Begins" (USA 2005) ab,
von der in diesem 1. Teil nur der Rahmen mitgeteilt sei: Nach
jahrelanger Abwesenheit muss der Held feststellen, dass ein
gewissenloser Aufsichtsratsvorsitzender die väterliche Firma "Wayne
Enterprise" überhaupt nicht gut weitergeführt hat. Lieblingskind des
toten Vaters ist einst der Sektor "angewandte Wissenschaften" gewesen:
Umweltschutztechnologie, Rüstungsprojekte und Gebrauchsgüter wie
Gurtsysteme, die sich beim näheren Hinsehen als zivil-militärische
Dual-Use-Produkte erweisen.

Diese Abteilung samt dem zuständigen Ingenieur hat man in einen
Kellerraum ausgelagert. Dort gibt es viele Prototypen, doch aus dem
Fundus unschätzbarer Erfindungen gelangt rein gar nichts in die
Produktion. Einer der Gründe dafür: Die Erbsenzähler sind zu geizig,
für das Leben eines US-Soldaten ein paar Geldscheine auf die Theke zu
legen. Batman wird die zukunftsweisenden Rüstungstechnologien verfügbar
machen und als moralischer Retter der Heimatstadt einsetzen. Hernach
stellt er sie auch ins Zentrum seiner Firmenproduktion. Der
"spirituellen" Selbstfindung folgt nämlich der Karriereweg eines
Rüstungsproduzenten, der äußerst erfolgreich an der Börse agiert und
die richtigen Zukunftsentscheidungen fällt.

Das Kino- und Videopublikum erhält an anderer Stelle den expliziten
Hinweis, dass Steuermittel für militärische Zwecke gut angelegt sind.
Der postapokalyptische Actionfilm "The Last Patrol" (USA 1999)
lamentiert über "erbärmliche Rüstungsetats" der Vergangenheit als
"Anfang vom Ende". Im Science-Fiction-Film "Armageddon" (USA 1998), den
Pentagon und NASA durch Assistenz gefördert haben, fehlt Geld in der
Kasse der Weltraumbeobachtung. Im Krisenstab, der angesichts einer
globalen Katastrophengefahr zusammentritt, wird über zu niedrige
Budgets der Star-Wars-Logistik geklagt: "Unser Beobachtungsetat beträgt
nur 100 Millionen. Das erlaubt es uns, drei Prozent des Himmels zu
kontrollieren. Und glauben Sie mir, der Himmel ist verdammt groß!"




James Bond: Stilvolles Product-Placement für den Krieg der Zukunft

James-Bond-Filme senden rüstungsfreundliche Botschaften in eine etwas
andere Richtung. Sie erreichen ein Publikum, dessen Stil-Vorliebe nicht
unbedingt im Bereich des platten Kriegsfilms oder allzu realitätsnaher
Agentengeschichten liegt. Gentleman "007" ist - anders als sein
CIA-Pendant Jack Ryan - ein promisker Frauenjäger. Er hat als
Geheimagent der britischen Königin außerdem eine "Lizenz zum Töten"
(und zum Foltern). Dieser Umstand verdient umso mehr der Beachtung, als
die weltpolitischen Szenarien in einer Reihe von Bond-Titeln vom
britischen und US-amerikanischen Militär als förderungswürdig erachtet
werden.[12] Bond bekommt in jeder Folge das allerneuste
Männerspielzeug, ein mit allen Raffinessen und diversen Raketentypen
ausgestattetes Gefährt. Das Product-Placement für gehobene Ansprüche
erstreckt sich nicht nur auf den geschüttelten Smirnoff-Wodka oder den
obligaten BMW. Zur Waffentechnologie in "Tomorrow Never Dies" (GB 1997)
teilt die International Movie Data Base (4) z.B. mit:

--James Bond has a new gun in this film. It is the Walther P99, which
is the replacement for his trademark Walther PPK. [...] The ships used
in the film are Type 23 Duke Class Anti-Submarine Frigates. The
interior shots were all filmed at HMS DRYAD ship simulator, and most of
the personnel in the background are real Royal Navy personnel. [...]
The stealth ship is not a fictional invention. Lockheed secretly
constructed and demonstrated one in the early 1980s, but the US Navy
finally decided they didnŽt want any. The prototype, called the Sea
Shadow, was 160 feet long and the movieŽs ship closely resembles it in
shape.--

Zur technologischen Militärausstattung in "Die Another Day" (USA/GB
2002) bietet die gleiche Quelle (5) unter anderem folgende
Hintergrundinformationen an:

--When Q explains how the Vanquish works, he is explaining technology
that the U.S. Air Force is actually developing for use in a new
>daylightSoldier 2000
In diesem Kinotitel besteht übrigens die Gefahr, dass ausgerechnet das
wirtschaftlich daniederliegende Nordkorea mit einem weltweit
unvergleichlichen "Ikarus-Weltraumprogramm" ausgestattet wird und damit
zur unschlagbaren Militärmacht aufsteigt. Bond selbst hat seinen
chamäleon-getarnten unsichtbaren "Rennwagen" und trainiert mit den
allerneusten virtuellen Militärsimulationen. Die surrealistisch
anmutende Technologie nimmt zum Teil reale Entwicklungen aus den
Zukunftswerkstätten der Rüstungsindustrie vorweg. In neueren
Bond-Filmen werden die Zuschauer mit dem vertraut gemacht, was ein
echter Gentleman im Zuge der "Revolution in Military Affairs" braucht.




Star Wars: Das Label für die Militarisierung des Weltraums

Nun hat die Kriegstechnologie schon im 20. Jahrhundert ein Stadium
erreicht, das für den Planeten Erde eindeutig überdimensioniert ist.
Nach der Vorführung eines Films über den Start der A-4-Rakete meinte
bereits ein Adolf Hitler[13]:

--Angesichts einer solchen Rakete muss man zugeben, dass Europa und die
Welt in Zukunft zu klein sind für einen Krieg.--

Wohin also? Im Kino wird die Umwandlung des Weltraums zum
Kriegsschauplatz vorgeschlagen. Die Fiktionen liefern ein unendliches
Universum aus möglichen Waffeninnovationen gleich mit. Nach dem
Vietnam-Krieg der USA bot der "Star Wars"-Komplex dem Kriegsfilm-Genre
außerdem die Möglichkeit, auf ein Terrain auszuweichen, das nicht
aufgrund gesellschaftlicher Antikriegsstimmungen negativ besetzt war.

Seit 2005 ist die neue "Star Wars"-Trilogie mit "Star Wars: Episode III
- Revenge Of The Sith" (USA 2005) von George Lucas abgeschlossen, so
dass jetzt zwei "Staffeln" für das Kino (1977-1983 und 1999-2005)
vorliegen. Auf die erste Trilogie hat sich Ronald Reagan, ohne vorher
bei Lucas anzufragen, 1985 bei der Vorstellung seiner Utopie eines
Raketenabwehrschildes bezogen[14]:

--The Strategic Defense Initiative has been labelled Star Wars. But it
isnŽt about war. ItŽs about peace. It isnŽt about retaliation. ItŽs
about prevention. It isnŽt about fear. ItŽs about hope. And in this
struggle, if youŽll pardon me stealing a film line - the force is with
us.--

Die Völkerwelt war über diese Initiative zur Militarisierung des
Weltraums alles andere als begeistert. Nicht zuletzt eröffnete sie den
USA ja auch die Aussicht auf einen "führbaren" Atomkrieg. Im Anschluss
an Reagans "Star Wars"-Rede hat das großartige Hoffnungsprojekt -
"worth every investment" - sehr viele Steuermilliarden verschlungen.
Das eigentliche Ziel blieb Illusion. Anders als der zögernde Clinton
hat US-Präsident George W. Bush jun. tatkräftig eine - zunächst
bodengestützte - Neuauflage des umstrittenen Unternehmens in Gang
gesetzt und zu diesem Zweck internationale Vertragsverpflichtungen
aufgekündigt. Zu den Zielen gehört ebenfalls, strategische Waffen vom
Weltraum aus einzusetzen. Auch hier wird es absehbar zu
Endlosinvestitionen kommen.

Mit Blick auf Reagan und Bush gibt es im gesamten Komplex "Star Wars in
Kino, Politik und Militärtechnologie" bezeichnende Parallelen. Horst
Hoffmann[15] fragt zunächst: Wie kommt es bei beiden Trilogien jeweils
zu den passenden "Timings zwischen den Filmemachern und den `Star
WarriorsŽ"? Da Reaganismus und Bushismus gleichermaßen das "Böse"
beschwören ( Empire of Evil (6) - Axis of Evil (7)), ist besonders die
ideologische Färbung des Sternenkrieges zu beachten. In Anknüpfung an
den - erstmals 1936 im Science-Fiction-Kino auftretenden -
US-Weltraumhelden Flash Gordon gilt es ja auch in "Star Wars", eine
"böse Macht" zu besiegen. Das Rad der Geschichte ist damit im
Science-Fiction-Kino ab 1977 wieder zurückgedreht worden, so als würde
es "Star Trek" nicht geben. Matthias Fritsch, Martin Lindwedel und
Thomas Schärtl konstatieren, dass "alle Star Wars-Filme von einer
grundlegend dualistischen Situation geprägt" sind, in der "sich Schwarz
und Weiß, Gut und Böse gegenüberstehen in einem Kampf um das Ganze des
Universums, um eine kosmische Ordnung, die gefährdet ist und durch
Anstrengungen der Helden bewahrt und wieder hergestellt werden
muss."[16]

Mit Lucas beginnt nach Ansicht dieser Autoren die "Gegenbewegung zur
Intellektualisierung des Science-Fiction-Genres". Er bringt ein
pseudobiblisches "spirituelles Rittertum" mit Strahlenschwertern auf
den Plan, und das kommt - selbst wenn es nicht intendiert sein sollte -
jeweils dem neuen Paradigma der US-Politik sehr entgegen. Nun ist in
der zweiten Filmtrilogie, die eigentlich die erste sein müsste, das
Reich des Bösen noch nicht entfaltet. Aus der nachgereichten
Vorgeschichte ließe sich deshalb vielleicht doch ein kritischer
Blickwinkel gewinnen: Die Republik selbst ist anfällig geworden für
eine "dunkle Macht".

Vor mehr als sechzig Jahren fragte der kleine Prinz, das "Alter Ego"
des Kriegspiloten Antoine de Saint-Exupéry, sinngemäß: "Niemand vor dir
hat daran gedacht, die Sterne zu besitzen. Das ist wahr. Und was machst
du damit?" Die Antwort (8) des US-Generals Franklin Blaisdell fällt
heute so aus:

--Wir müssen den Weltraum beherrschen, weil es sehr schwierig sein
würde, einen Krieg ohne unsere Weltraummittel und die Möglichkeiten,
die sie uns bieten, zu führen.--




Das Geflecht von Film und Kriegstechnologie

Ein Überblick zu möglichen Beziehungen zwischen massenkultureller
Fiktion und Militärtechnologie soll den Abschluss dieses 1. Teils
bilden.[17] Dabei bleiben die Potenzen von intelligenter
Science-Fiction (utopische Gegenentwürfe, intuitive Warnfunktion,
Aufklärung usw.) unberücksichtigt. Der Fokus liegt auf dem
massenkulturell-militärischen Komplex:

Medientechnologie und Militärtechnologie können sich synchron bzw.
analog oder auch in symbiotischen Komplexen weiterentwickeln. Das
Ergebnis sind z.B. Entsprechungen in der "Logistik der Wahrnehmung"
(Virilio) oder Ästhetik und Dual-Use-Produkte.

Zwischen den Herstellern, Anwendern und Nutznießern beider Technologien
können wirtschaftliche Verflechtungen oder andere
Interessengemeinschaften bestehen. Hier stellt sich die Frage, ob die
Dominanz bestimmter Botschaften in der Produktpalette von
unterhaltsamen Fiktionen nicht auch etwas aussagt über ökonomische,
kulturelle und politische Machtverhältnisse.

Ganz allgemein können fiktionale Kulturprodukte z.B. zu einem positiven
(oder negativen) Image der Rüstungsindustrie und ihrer Forschungsarbeit
beitragen.

Der kreative Fundus der Fiktionen aus den Bereichen Kultur und
Unterhaltung kann von der militärtechnologischen Forschung als
Ideenwerkstatt benutzt werden.

Der fiktionale Unterhaltungssektor kann seinerseits reale Entwicklungen
der Rüstungsforschung aus unterschiedlichsten Gründen aufgreifen, z.B.
zu eigenen Zwecken: weil es sachlich passend, interessant oder einfach
unterhaltsam ist.

Filmprodukte, PC-Spiele etc. können technologische Entwicklungen
vorwegnehmen und anschaulich machen, was die Zuschauer - auch im Sinne
einer Gewöhnung - auf zukünftige Revolutionen der Kriegsführung mental
vorbereitet.

Ausdrücklich preisen einige fiktionale Filme die Vorzüge neuer
Kriegstechnologien an, verharmlosen mögliche Risiken oder "widerlegen"
die Argumente von Kritikern. Über Fiktionen können auch die
Bedrohungsszenarien konstruiert werden, zu deren Abwehr bestimmte neue
Technologien die Lösung anbieten.

Alle fiktionalen Produkte, die den Denkmodellen bzw. Allmachtsvisionen
einer utopistischen Militärtechnologie zuarbeiten oder unsere Phantasie
in eine ihnen genehme Richtung lenken, sind den RMA-Ideologen natürlich
sehr willkommen. Da in diesem Zusammenhang Technikfaszination eine
große Rolle spielt, ergeben sich auch nützliche Nebeneffekte für die
Rekrutierung zum Militär.

Science-Fiction ergänzt die Möglichkeiten des klassischen Kriegskinos
um entscheidende Dimensionen, mit deren Hilfe sich das Programm "Krieg"
in der Massenkultur erst eine raum-zeitliche Totalität erobern kann.
Der Krieg ist nicht nur das maßgebliche Modell für die Darstellung von
Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch Haupttagespunkt für jede
denkbare Zukunft. Räumlich gesehen ist er ein Phänomen kosmischen
Ausmaßes, das bis in den letzten Winkel des Universums hineinreicht.

Wir haben es also mit einem vielfältigen Gefüge von Beziehungen und
Wechselwirkungen zu tun. Der gesamte Komplex wirkt in die Gesellschaft
hinein und prägt die politische Performance. Kunst und Kultur sollten
ein kritisches Gegenwicht zur "reinen Wissenschaft" bilden. Von daher
empfiehlt es sich, die Wortbestandteile von "Science-Fiction" weiterhin
mit einem Bindestrich zu trennen. Wenn das Fiktionale zum Instrument
der Kriegswissenschaften verkommt oder mit diesen symbiotisch
kollaboriert, kann eine Spirale des Realitätsverlustes in Gang gesetzt
werden. Zumal zukünftige Generationen könnten das im Ergebnis als
weniger unterhaltsam empfinden.

11

LITERATURANGABEN

[1]

Vgl. Matthias Fritsch/Martin Lindwedel/ Thomas Schärtl, Wo nie zuvor
ein Mensch gewesen ist - Science-Fiction-Filme: Angewandte Philosophie
und Theologie, Regensburg 2003. Für die nachfolgenden Ausführungen zum
"Star Trek"-Komplex stütze ich mich auf diese Autoren. Soweit ich sehe,
ist die Kooperation des US-Militärs beim Kinofilm "Star Trek IV: The
Voyage Home" (USA 1986) eine Ausnahme. D. L. Robb teilt dazu in seinem
Buch "Operation Hollywood" (2004) mit, auf Wunsch des militärischen
Kooperationspartners seien Navy-Charaktere und Drehbuchteile, die die
Zuverlässigkeit der militärischen Sicherheitsstandards betrafen,
verändert worden. Im Bereich der Science-Fiction-Fernsehserien
bescheinigt die Internet Movie Database der Kooperation von U.S.
Department of the Airforce, U.S. Department of Defense und U.S. Space
Command bei "Stargate SG-1" (USA 1997ff) eine gewisse Exklusivität.

[2]
Fritsch/Lindwedel/Schärtl, Wo nie zuvor ein Mensch gewesen ist 2003, S.
146.

[3]
Jan Süselbeck, Der Kampf und die Kamera (9)

[4]
Vgl. zum Weltuntergangskino: P. Bürger, Kino der Angst - Terror, Krieg
und Staatskunst aus Hollywood, Stuttgart 2005, S. 355-383.

[5]
Hier ist auch ganz wörtlich an die kriegsverherrlichende Ästhetik von
Futuristen zu denken, die in einem Manifest des italienischen Dichters
Filippo Tommaso Marinetti (1909) förmlich zum Programm erhoben worden
ist.

[6]
Vgl. dazu auch: Jean-Michel Valantin, Hollywood, the Pentagon and
Washington. The Movies and National Security from World War II to the
Present Day, London 2005.

[7]
R. Voigt/St. Machura (Hg.), Krieg im Film, Münster 2005, S. 43 (mit
einem Zitat von Friedrich Kittler). Vgl. viele weitere Beispiele in:
Paul Virilio, Krieg und Kino - Logistik der Wahrnehmung, Frankfurt
1989. G. Seeßlen, Von Stahlgewittern zur Dschungelkampfmaschine, in:
Evangelische Akademie Arnoldshain (Hg.), Kino und Krieg, Frankfurt
1989, S. 20.

[8]
G. Seeßlen, Von Stahlgewittern zur Dschungelkampfmaschine, in:
Evangelische Akademie Arnoldshain (Hg.), Kino und Krieg, Frankfurt
1989, S. 20.

[9]
Valantin, Hollywood, the Pentagon and Washington 2005, S. 8.

[10]
Thomas Y. Levin, Die Rhetorik der Überwachung - Angst vor Beobachtung
in den zeitgenössischen Medien (10).

[11]
Zitiert nach dem Dokumentarfilm "Marschbefehl für Hollywood - Die
US-Armee führt Regie im Kino" (deutsch: NDR 2004) von Maria Pia Mascaro.

[12]
Vgl. P. Bürger, Kino der Angst 2005, S. 293-300.

[13]
Zitiert nach: Virilio, Kino und Krieg 1989, S. 115.

[14]
Zitiert nach: Valantin, Hollywood, the Pentagon and Washinton 2005, S.
33.

[15]
H. Hoffmann, Star Wars auch in Europa - Sternenkriegrenaissance in den
USA und EU-Beteiligung an der Militarisierung des Weltraums (11).

[16]
Fritsch/Lindwedel/Schärtl, Wo nie zuvor ein Mensch gewesen ist 2003, S.
110.

[17]
Zu Merkmalen eines kritischen Kriegsfilmparadigmas und zu Funktionen
des kriegssubventionierenden Kinos vgl. P. Bürger, Kino der Angst 2005,
S. 515-536.

LINKS

(1) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23322/1.html
(2) http://www.fas.org/spp/starwars/program/news99/92399_defense.htm
(3)
http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?id=1403#search=%22Fran
kreich%20Revolution%20in%20Military%22
(4) http://german.imdb.com/title/tt0120347/trivia
(5) http://german.imdb.com/title/tt0246460/trivia
(6) http://rightwingnews.com/speeches/empireofevil.php
(7) http://www.whitehouse.gov/news/releases/2002/01/20020129-11.html
(8) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/14/14980/1.html
(9) http://www.jungle-world.com/seiten/2006/32/8287.php
(10) http://www.nachdemfilm.de/no3/lev01dts.html
(11) http://frilahd.twoday.net/stories/774955/

Telepolis Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23507/1.html

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