Science-Fiction, Kriegskino und Krieg der Zukunft. Teil 2:

Dienstag, 12. Dezember 2017 um 19:00 - futziwolf
Der Mensch als Kampfmaschine

Leichensäcke mit den sterblichen Überresten eigener Soldaten bringen
für die Militärs in westlichen Gesellschaften ein erhebliches
Rekrutierungsproblem mit sich. Zumal der Berufssoldat möchte sein gutes
Geld verdienen und es nach der Rückkehr vom Kriegsschauplatz auch
ausgeben können. Kriegsopfer in fernen Ländern kann man aus dem
Medienbild heraushalten. Trauer und Zorn von Angehörigen in der eigenen
Gesellschaft lassen sich auf Dauer aber nicht verschweigen. Das
Programm "Universal Soldier" verspricht Abhilfe: Der
Hightech-Soldatenberuf ist ungefährlich. Das nahe Gefecht übernehmen
Kampfroboter oder vielleicht sogar Klonkrieger. Was vor zwanzig Jahren
noch reine Science-Fiction war, geht heute zum Teil schon in Serie.

Doch bietet der RMA-Soldat ohne Berufsrisiko Schutz gegen die
Bereitschaft zum "Martyrium"? In der asymmetrischen Kriegsführung kann
die Stärke eines technologisch unterlegenen Gegners ja gerade in der
Todesverachtung seiner Kämpfer bestehen, und diese Antwort der
Gegenseite wird durch die "Revolution in Military Affairs" - und jede
andere auf Rüstungsüberlegenheit bauende Strategie - regelrecht
herausgefordert. Welche ethischen Probleme birgt eine Maxime, nach
welcher die Unversehrtheit der eigenen Soldaten das höchste Gut ist?
Zumal im Kriegskino wird dieser Grundsatz inflationär beworben, wobei
man für die Rettung bzw. Befreiung eines der eigenen Teammitglieder oft
ganz selbstverständlich hundert oder viel mehr Opfer auf der Gegenseite
in Kauf nimmt. Wie glaubwürdig ist schließlich die Aussicht, dass der
Soldat der Zukunft nicht mehr zum Mittel für den Kriegszweck
herabgewürdigt und dadurch seiner Menschlichkeit beraubt wird?

Die neue Ritterrüstung, oder: Der alte Traum von Unverwundbarkeit
Das Heilsversprechen ist also viel problematischer als es auf den
ersten Blick scheint. Es beginnt vergleichsweise noch konventionell bei
der Ritterrüstung. In spätestens zwanzig Jahren trägt der Soldat in
modernen Armeen einen thermisch-aerodynamischen Kampfanzug, der
selbsttätig Medikamente und Nährsubstanzen injiziert oder Blutungen
stillt. Pneumatische Muskeln und künstliche Gelenke verpassen dem
Elitesoldaten, ganz gleich wie schwer sein Marschgepäck sein sollte, am
Boden Siebenmeilenstiefel. Die mobile EDV-Anlage ist gleichsam in der
Brusttasche untergebracht. Das Material der Uniform weist nicht nur
Kugelattacken ab, sondern schützt auch bei Angriffen mit ABC-Waffen.

Ein Beispiel dafür, wie die Notwendigkeit solcher Entwicklungen dem
größeren Publikum plausibel gemacht wird, enthält die Comic-Verfilmung
"Batman Begins" (USA 2005). In Batmans Rüstungsfabrik ist ein
reißfester "Nomex-Spezialanzug" für die leichte Infanterie mit
doppelter "Kevlar-Gewebebindung" und verstärkten Schweißnähten
entwickelt worden. Das Material ist weitgehend feuerresistent und -
abgesehen von Nahschüssen - kugelsicher. Ergänzend kommt als Umhang ein
ultraleichter Spezialstoff aus der Fallschirmspringer-Forschung hinzu.
Dessen Moleküle können durch einen Spezialhandschuh elektrisch
aufgeladen und "starr" gemacht werden. So nimmt der Stoff jede
gewünschte Form an. Die beiden zukunftsweisenden Produkte sind sehr
teuer, aber auf keinen Fall zu teuer: "Ist das Leben eines Soldaten
etwa keine 300 Riesen wert?"



Futur Soldier: Allsehend und selbst unsichtbar
Zur mobilen Ausrüstung des modernen Soldaten gehören außerdem
Technologien, die seine Sinneswahrnehmungen potenzieren. Von
herausragender Bedeutung ist dabei die Optik. In den Augenhöhlen des
"Terminator" steckte schon 1984 Hightech. So weit gehen die
Bestell-Listen des Militärs noch nicht: Nachtsichtgeräte besiegen die
Dunkelheit. Röntgenaugen durchdringen alle Wände. Laserstrahlen
bestimmen die Entfernungen. Kameraobjektive an der Waffe, die mit dem
Visier verbunden sind, ermöglichen Winkelblick und Schusswechsel "um
die Ecke". Spezialhelme mit Infrarotsensoren erkennen lebende oder
bereits tote "Objekte" aus weiter Entfernung. Die horizontale und
vertikale Vernetzung aller künstlichen Augen verschafft den großen
Überblick. Am Ende steht eine Eigenschaft, die vormals Gott vorbehalten
war. Der Soldat ist allsehend geworden. Paul Virilio spricht von der

Obszönität des militärischen Blicks, der sich zunächst auf die nähere
Umgebung, dann auf die ganze Welt" richtet und in der Kunst besteht,
"sich dem Blick des anderen zu entziehen, um selbst sehen zu können
ZUKUNFTSKRIEG[1]

Dieses Prinzip der militärischen Wahrnehmung, "zu sehen und nicht
selbst gesehen zu werden", entspricht, wie Rainer Gansera anmerkt, dem
der Kamera. Der Bezug ist noch direkter: Kameratechnologie erschließt
ja dem militärischen Betrachter, der selbst im geschützten Raum
unsichtbar bleibt, die Sichtfelder. Eine Alternative oder Ergänzung zu
dieser Strategie bietet die Tarnkappe aus alten Sagen und
Märchenbüchern. Diese ist ernsthaftes Forschungsobjekt. Im James
Bond-Film sind Chamäleon-Technologien schon realisiert. Die US-Army hat
sich zur Entwicklung eines Chamäleon-Kampfanzuges im Rahmen des "Futur
Warrior 2025 Concept" vom Film "Predator" (USA 1986) inspirieren
lassen. (vgl. Teil 1) Vermutlich ließe sich ein ganzes Buch mit
weiteren Beispielen aus dem Science-Fiction-Genre füllen. Im
Vordergrund steht auch beim futuristischen Tarnanzug der Traum von
Unverwundbarkeit, wobei die Ritterrüstung im Bedarfsfall gerade nicht
mehr optisch Eindruck schinden soll.

Die Bedeutungsebenen der Unsichtbarkeitstechnologie liegen jedoch
tiefer. In der Kinotrilogie "The Lord Of The Rings" ist Unsichtbarkeit
eine Fähigkeit dessen, der die Macht trägt und sich also hinter ihr
versteckt. - Der Film "They Live" (USA 1988) bietet mit Spezialbrillen,
die die geheimen Strategien der Macht sichtbar machen, den Beherrschten
das Gegenmittel an. - Bezogen auf den Krieg bedeutet eine
Unsichtbarkeit der Akteure, dass das Subjekt des Tötens kein eigenes
Gesicht mehr hat und dass es selbst vor dem "Auge, das alles sieht"
verborgen bleibt. Wo es doppelte ethische Standards für das Zivilleben
im eigenen Land und für auswärtige Kriegseinseinsätze gibt, muss die
Verborgenheit des Soldaten bis ins Medienbild verlängert werden. Trotz
inflationärer Kriegsberichterstattung vermag sich ja kaum jemand
vorzustellen, wie die Soldaten des eigenen Landes auf fernen
Kriegsschauplätzen wirklich Menschen töten. Im populären Kino
thematisiert z.B. "Hollow Man" (USA 2000) den Wunsch nach
Unsichtbarkeit. Die Videowerbung bewirbt diesen Titel mit einer
verlockenden Botschaft: "Es ist faszinierend, was du alles tun kannst,
wenn du dich nicht mehr im Spiegel sehen musst."

Konditionierung und Kampfdrogen
Ein bedeutsamer Teil der Militärforschungen bestand bzw. besteht darin,
Strategien und Methoden zur Ausschaltung der natürlichen menschlichen
Tötungshemmung zu entwickeln. Die entsprechenden Trainingsprogramme
haben vom Zweiten Weltkrieg bis hin zum Vietnamkrieg die Tötungsrate
der Soldaten mehr als vervierfacht. Sie fußen auf der Erkenntnis, dass
jede seelisch gesunde Person einen unvorstellbaren Widerstand gegenüber
der Tötung eines anderen Menschen in sich birgt. Der Preis, den
desensibilisierte bzw. konditionierte Soldaten nach ihrer
Kriegsheimkehr in Form so genannter "posttraumatischer Stress-Syndrome"
bezahlen, ist entsprechend hoch. Alejandro Jodorowsky hat in seinem
Meisterwerk "Montana Sacra" ("Subida Al Monte Carmelo", Mexiko 1973)
die Kriegskonditionierung thematisiert: Eine "War Toys Factory" ist
Vertragspartnerin der Regierung, deren Politik sie mit
Computerprognosen über anvisierte Militärschauplätze und gezielten
Kriegsspielzeugentwicklungen unterstützt. Zur Peru-Kampagne gehört z.
B. ein Comic-Heft "Against The Peruvian Monster!" aus der Serie "Space
Super-Hero! Captain, Captain". In einer Sonderabteilung sind Kinder
durch Hirnverkabelungen mit Maschinen vernetzt, die über Elektrostöße
bestrafen und belohnen. In fünfzehn Jahren, so heißt es als Kommentar
zu diesem Vorgang, werden diese Kinder "Peruaner mit Vergnügen töten".
Heute lassen PC-Simulationen, an deren Entwicklung die
Unterhaltungsindustrie maßgeblich mitwirkt, die Elektrokabelmethode als
sehr antiquiert erscheinen: "In 2002, a marine corps officer declared
that the simulations perfected in Hollywood allowed soldiers to learn
to kill more easily by imagining they were in a film."[2] Die
Produktion einer unschlagbaren Staatskillerin zeigt im Kino der Film
"The Assassin - Point Of No Return" ("Codename: Nina", USA 1992), ein
Remake nach Luc Besson.



Ausdrücklich befürwortet Andrew Marshall, seit den 1990ern ein Guru der
"Revolution in Military Affairs" in den USA, "verhaltensmodifizierende
Drogen, die `biotechnisch veränderte Soldaten` hervorbringen
sollen."[3] Offenbar erhalten US-Kampfpiloten schon jetzt bei langen
Einsätzen obligatorisch den Wachmacher "Dexedrin". Diese Praxis hat
Jamie Doran 2003 in einem Dokumentarfilm behandelt. Sie wurde zum
öffentlichen Thema, nachdem zwei US-Piloten "versehentlich" vier
kanadische Soldaten in Afghanistan mit einem Bombenabwurf getötet
hatten. Dass die meisten Amphetamine aggressionssteigernd wirken, ist
jedem Drogenberater bekannt. US-Forschungseinrichtungen untersuchen die
militärische Relevanz bestimmter Stresshormone, doch über weitergehende
Studien im Sinne Andrew Marshalls gibt es allenfalls Spekulationen. Die
Kombination von Drogengaben an Soldaten und computersimuliertem
Kampftraining ist jedoch Thema z.B. im trivialen
Science-Fiction-Thriller "Operation Sandman" (USA 2000, TV): Die in
einem streng geheimen Militärprojekt verabreichten Psychosubstanzen
sorgen nicht nur für eine enorm gesteigerte Ausdauer im Kampf, sondern
verändern die gesamte Wirklichkeitswahrnehmung. In den Kinotiteln "The
Manchurian Candidate" (2004) und "The Jacket" (2005) geht es um
US-Golfkriegsveteranen von 1991, die man entweder mit Psychopharmaka
von unbequemen Fragen abhält oder als Versuchskaninchen für tödliche
Psychiatrieexperimente benutzt. Spezielle Kampfinjektionen sind obligat
in "Universal Soldier" (USA 1992).

Gentechnisches Soldatenrecycling und Klonkrieger
Bislang noch wirklich exklusives Science-Fiction-Terrain betreten Kino-
und Videofilme, die zur biochemisch bzw. genetisch veränderten
"Kampfmaschine Mensch" vorstoßen, z.B. "Project Shadowchaser" (GB
1991), die von Roland Emmerich eröffneten drei Teile von "Universal
Soldier" (USA 1992/1998), "Soldier" (USA 1998) von Paul Anderson und
"Universal Soldier: The Return" (USA 1999). In "Project Shadowchaser"
(1991) erläutert der vom Pentagon beauftragte Leiter eines
milliardenschweren Forschungsvorhaben (Advanced Technical Research) zur
Entwicklung der militärischen Killermaschine "Romulus" sein Vorhaben
wie folgt: "Ziel des Projektes ist es gewesen, den perfekten
künstlichen Krieger zu schaffen, intelligent, anpassungsfähig und
genügsam, total unbelastet von irgendwelchen Moralgefühlen [...], einen
Android, frei von all diesen lästigen sozialen und emotionalen
Vorurteilen." In diesem Titel begegnet uns übrigens bereits das Modell
des Tiefkühl-Strafvollzugs, das zuletzt "Minority Report" weiter
verfeinert hat. Im Jahr darauf folgt "Universal Soldier" über die
regenerative bzw. gentechnische "Verarbeitung" der eingefrorenen
Leichen von gefallenen US-Soldaten zu Elitesoldaten bzw.
Killermaschinen, die via Funk und Kameraaugen mit einer
Computerzentrale vernetzt werden. Unter den "Objekten", die mit Hilfe
einer speziellen Intensivmedizin immer wieder "feldtauglich" gemacht
werden, befinden sich die konservierten Körper eines "guten" und eines
sadistischen Vietnamkämpfers. Emmerichs Filmbeitrag fragt im Jahr des
ersten Golf-Krieges der USA: Wird der Soldat der Zukunft dem
Massakersoldaten aus Vietnam oder dem "moralischen" Gegenspieler des
Massakertypus nachfolgen? Die Entscheidung fällt - wenig überzeugend -
am Fleischwolf.

In "Soldier" (1998) von Anderson geht es dann zunächst noch um
Mitglieder einer Soldatengeneration, die über Zuchtauswahlverfahren in
einem militärischen Projekt zu den besten Kämpfern ihrer Zeit
herangezogen werden. Die Formung beginnt noch vor der Geburt. Der
Titelheld ist im Jahr 1996 geboren und gehört dieser Spezialeinheit an.
Vier Jahrzehnte später gibt es jedoch ein überlegenes neues
Soldatenmodell, das vollständig gentechnologisch produziert wird. Die
Sympathie des Zuschauers gilt dem "Soldier" des Jahrgangs 1996 und den
Menschen, die durch seine Kampfkunst gerettet werden sollen. Was
geschieht, wenn es einmal nicht nur die intergalaktischen Klonkrieger
aus der Science-Fiction, sondern echte geklonte Menschen gibt?
Bedenkenlos postuliert der Schwarzenegger-Film "The 6th Day" (USA
2000), man könne Menschenklone einfach mit dem Auto überfahren und als
Matsch zurücklassen. Science-Fiction-Titel wie "Code 46" (GB 2004) oder
"The Island" (USA 2005) regen uns an, das kommende gentechnische
Zeitalter ernsthaft zu bedenken und dabei schon heute überzeugende
ethische Betrachtungsweisen zu entwickeln. In der Comic-Verfilmung
"Fantastic Four" (USA/BRD 2005) führen kosmische Strahlen im Rahmen
eines Weltraumforschungsprojektes bei den Beteiligten zu phantastischen
genetischen Mutationen. Im Grunde verkörpert jetzt jeder im Quartett
ideale Fähigkeiten eines Zukunftssoldaten: unbegrenzte Muskelkraft,
Unsichtbarkeit, Dehnbarkeit (Beweglichkeit, räumliche Anpassung) und
Feuerresistenz (gepaart mit der Fähigkeit, zu fliegen). Der fünfte
Mutant ist der "Böse". Sein Körper hat sogar ein integriertes
Waffensystem.

Mikrochips, Hirnimplantate und Maschinensymbiose
Genau dies wäre denn auch die nächste Steigerungsstufe, zu der Jonathan
Demme mit "The Manchurian Candidate" (USA 2004) eine fiktionale Etappe
anbietet. Der Film, ein Remake des gleichnamigen Klassikers von John
Frankenheimer aus dem Jahr 1962, macht uns mit folgender Geschichte
bekannt: Die Soldaten einer 1990/91 in Kuwait eingesetzten US-Einheit
sind, wie aus Rückblenden hervorgeht, mit Hilfe von Hypnose,
implantierten Elektronik-Chips, Gehirnsonden und Gentechnologie in
willenlose Werkzeuge bzw. Killerinstrumente verwandelt worden. Sie
lassen sich fortan per Handy fernsteuern. Im Hintergrund stehen eine
rechtsradikale (bzw. "neokonservative") Politikerin und der Konzern
"Manchurian Global", der vor allem mit privatisierten
Kriegsdienstleistungen viel Geld verdient und über die nötigen Mittel
zur Entwicklung der elektronischen Hirnimplantate verfügt. Zu den
beteiligten Wissenschaftlern gehört ein Kriegsverbrecher aus Südafrika,
den auch die CIA bereits früher im Dienste "psychologischer
Kriegsführung" konsultiert hat. Natürlich könnte man dies alles ganz
vordergründig im Licht von Scientology-Verschwörungsthesen betrachten.
Anders gestaltet sich wohl die Rezeption aus der Sicht von Soldaten,
die bezweifeln, dass es im RMA-Zeitalter vor allem auch um ihr Wohl
geht.



Im Film "The Terminator" (1984) werden den Menschen spezielle Codes zur
Identifizierung noch auf altertümliche Weise aufgebrannt. Im Internet
kursieren schon heute Meldungen über "radio frequency identification
chips" (RFID-Chips), die Soldaten implantiert werden können und z.B.
von "VeriChip Corp." in der Hoffnung entwickelt werden, mit dem
Pentagon ins Geschäft zu kommen. Elektronik kann, wie es Filme
spätestens seit den 90er Jahren durchspielen, dem Menschen implantiert
werden und dann mit Nervensynapsen eine Systemeinheit bilden.
"Menschliches" kann aber auch - wie im Film "RoboCop" (USA 1987) von
Paul Verhoeven - in eine Robotersymbiose eingefügt werden, wobei im
Zeitalter der Stammzellenforschung zusätzlich auch an menschliche
"Ersatzteile" aus der Zellproduktion gedacht werden könnte.[4] Die
Überlegenheit der Symbiose ist ja bereits im "Terminator" erwiesen. Das
Drehbuch zum ersten "RoboCop"-Film enthält Optionen für die Verwendung
von "halbmenschlichen" Roboter-Cops im Rahmen einer zwischenzeitlich
privatisierten Polizei. Die Herstellerfirma des besagten "Produkts"
entwickelt aber auch Kampfmaschinen für das Militär.


Der archaische Krieger im Hightech-Zeitalter
Von seelenlosen Robotern ist freilich im klassischen Kriegskino keine
Rede. Das Marine Corps, so heißt es noch ausdrücklich in "Full Metal
Jacket" (USA 1987), braucht furchtlose Killer, die Blut sehen wollen,
unzerstörbare Männer, die am Ende bereit sind, "ihre eigenen Eingeweide
zu fressen und noch einen Nachschlag zu verlangen." Captain Kurtz aus
Coppolas "Apocalypse Now" (USA 1979/2000) postuliert in einem Zuge
"militärische Schulung" und "ursprüngliche Instinkte". Aus dieser
Mischung entsteht das enthemmte Ungeheuer. Echte Muskeln und die alte
Leier von Soldatenehre wird man trotz aller technologischen
Revolutionen weiterhin brauchen, um die Kriegsmaschine am Laufen zu
halten. Deshalb brauchen die Liebhaber des überkommenen Bellizismus
keine "Intellektualisierung" des Kriegsfilm-Genres zu befürchten. Wenn
George Lucas den mittelalterlichen Ritter zur zentralen Heldengestalt
im intergalaktischen Sternenkampf zukünftiger Jahrhunderte macht, hat
er verstanden, dass man allein mit Informatikern, Ingenieuren und
anderen Wissenschaftlern im Kino nicht Krieg führen kann. Auch die
jungen Militärprofis der RMA-Generation sind, wie "Space Cowboys" (USA
2000) nahelegt, noch immer auf die Erfahrung und Instinktsicherheit der
alten Hasen angewiesen. Im Film "The Last Samurai" (USA 2003) ist der
US-Bürgerkriegsveteran Nathan Algren mit der Aufgabe betraut worden, an
der Schwelle zum 20. Jahrhundert bei der technologischen Modernisierung
der kaiserlichen Armee Japans mitzuwirken. Wir brauchen, so sagen
Militärstrategen, im Kontext der militärischen Hightech des dritten
Jahrtausends wieder den archaischen Krieger , der seiner Aufgabe
bedingungslos ergeben ist. Die dafür notwendige Kombinationswaffe hat
US-Captain Algren als Abschiedgeschenk vom großen Samurai Katsumoto
erhalten: "Ich bin das Schwert des Kriegers[5], in dem sich die alten
Werte mit den neuen vereinen."

LITERATURANGABEN

[1]Vgl. F. Rötzer, Die Technik, etwas unsichtbar zu machen, in: Telepolis
(1), 15.6.2004 und M. Gräbner, Ich sehe, dass du mich nicht siehst, in:
Telepolis (2), 26.5.2006

[2]Jean-Michel Valantin, Hollywood, the Pentagon and Washington, London
2005, S. 79. Jean-Michel Valantin, Hollywood, the Pentagon and
Washington, London 2005, S. 79.

[3]Mike Davis, Umzingelt von einer unfehlbaren Armee, in: Die Zeit (3),
10.4.2003.

[4]Das Thema einer Symbiose von Biologischem und Maschine taucht auch auf
in dem Remake ‹Down: (USA/NL 2001): Der ‹Fahrstuhl des Grauens:
verselbstständigt sich - mittels eingebauter Gentechnologie - und
bringt auf den 102 Stockwerken des New Yorker ‹Millenium-Building: den
Tod.

[5]Vgl. Jürgen Rose, Auszeit fürs Hirn, in: Freitag (4), 3.12.2004

LINKS
(1) http://www.telepolis.de/r4/artikel/17/17656/1.html
(2) http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22739/1.html
(3) http://www.zeit.de/2003/16/Krieg
(4) http://www.freitag.de/2004/50/04500401.php

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