Science-Fiction, Kriegskino und Krieg der Zukunft. Teil 4:

Dienstag, 27. Juni 2017 um 19:32 - futziwolf
Biowaffen, Mikrowellen, Klima-Beeinflussung und Erdpenetratoren
von Peter Bürger 04.11.2006

In Spielbergs Kinoproduktion "War Of The Worlds" (USA 2005) verfügen
die außerirdischen Invasoren über ein ganzes Arsenal futuristischer
Militärtechnologie. Dazu gehören riesige Kampfroboter, organische
Krakenarme, pulverisierende Strahlenwaffen und geschmeidige
Mechanik-Quallen, die mit ihrer Kameratechnologie jeden Winkel von
Unterschlüpfen erkunden können. Schutzschirme aus Energiefeldern (wie
in "Independence Day"), Methoden zur Lahmlegung der gesamten
Elektrizität und faktische Instrumente der Wetterkriegsführung (Blitze
verursachen einen Flugzeugabsturz) zeigen sehr bald, wie begrenzt die
Verteidigungsmöglichkeiten des US-Militärs sind. Am Ende besiegt - ganz
unbeabsichtigt oder durch göttliche Vorsehung - der Biotop "Planet
Erde" die Außerirdischen mit biologischer Kriegsführung.


Was ist die Botschaft dieses Science-Fiction-Films? Will Spielberg uns
vielleicht darauf aufmerksam machen, wie kurzsichtig das Vertrauen in
einen technologisch haushoch überlegenen Kriegsapparat ist? Der
Hightech-Panzer des extraterrestrischen Militärs scheint
undurchdringbar zu sein und jede Gegenwehr aussichtslos. Doch wie in
der Siegfried-Legende gibt es einen verborgenen wunden Punkt, an den
niemand gedacht hat und der doch alles zum Einsturz bringt.

Diese wohlwollend konstruierte, kritische "Lesart" dürfte die Rezeption
kaum bestimmen. Die erste von mittlerweile drei Verfilmungen der
klassischen Science-Fiction-Vorlage von H. G. Wells (1898) im Jahr 1953
leitete zusammen mit ähnlichen Werken eine ganze Welle außerirdischer
Invasionen im Kino ein. Die Gesellschaft rüstete sich damals für den
Kalten Krieg, und entsprechend versuchte man auch ganz
selbstverständlich, die Außerirdischen mit einem Atompilz unschädlich
zu machen. Im Jahr 2005 will der Feind keine herkömmlichen Rohstoffe
mehr (wie in der Literaturvorlage), sondern Menschenblut. Spielberg
beschwört mit seinem Remake eine unberechenbare Bedrohung: einen völlig
unerwarteten "Krieg der Welten". Pentagon, U.S. Army, U.S. Marine Corps
und U.S. Air Force haben ihm umfangreiche Schützenhilfe gewährt.

Biowaffen und eine neue pharmakologische Kriegsführung

Die Pentagon-Filmförderung unter der Leitung von Captain Philip Strub
unterstützt jedoch nicht jede x-beliebige Science-Fiction-Produktion.
Besonders auch solchen Kooperationsprojekten, die neue
Waffentechnologien und Methoden der Kriegsführung thematisieren,
sollten wir Aufmerksamkeit schenken. Eine Absage des Pentagon erfolgte
nach Mitteilung von David L. Robb beim Film "Outbreak" (USA 1995) von
Wolfgang Petersen[1]. Dem U.S. Department of Defense missfiel, dass im
vorgelegten Drehbuch der Ausbruch einer aggressiven Virus-Seuche als
Resultat des militärischen Interesses an der Entwicklung von Biowaffen
dargestellt wurde.



Im Film "Twelve Monkeys" (USA 1995) von Terry Gilliam gelingt es einem
der wenigen Überlebenden einer globalen Virusepidemie, im Jahr 2035
eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit zu unternehmen. Die Quelle
der Katastrophe, die er dort aufdecken will, liegt offenbar auch hier
in US-Forschungen über Biowaffen. Am Ende stellt sich heraus, dass ein
einzelner Psychopath aus der Belegschaft einer entsprechenden
Forschungseinrichtung die Epidemie in Gang gesetzt hat. Das Thema war
zuvor schon von der Stephen-King-Verfilmung "The Stand" (USA 1994, TV)
behandelt worden. In diesem Endzeitthriller nimmt das Unheil, eine
tödliche Virusseuche mit Spitznamen "Captain Trips", ebenfalls seinen
Ausgang in einem Labor der US-Army. Das Virus unterscheidet bei seiner
Wirtssuche nicht zwischen bösen oder guten Menschen, doch einige
Personen scheinen immun zu sein. Alle, die für das in der
Johannes-Offenbarung angekündigte letzte Gefecht auserwählt worden
sind, bleiben verschont.

Einen beunruhigenden Blick auf Technologien zur Verbreitung von
Krankheitserregern und anderen Kleinstteilchen gewährt die
Rüstungsfabrik in der Comic-Verfilmung "Batman Begins" (USA 2005). In
Batmans väterlicher Firma ist nämlich ein Mikrowellensender[2] "Wayne
Enterprise 47-b, 1-ME" entwickelt worden. Dessen ursprüngliche
Bestimmung liegt darin, feindliche Wasservorräte zum Verdampfen zu
bringen. Dies wird offenbar noch als gute Militärtechnologie
betrachtet. Allerdings gibt es auch illegale Versuche, mit Hilfe dieses
Gerätes in Wasser gelöste Chemikalien überall in der Luft zu verteilen.
Genau für einen solchen perversen Missbrauch von "Enterprise 47-b,
1-ME" hat eine "Gesellschaft der Schatten" auf pflanzlicher Basis einen
chemischen bzw. pharmakologischen Kampfstoff hergestellt. Dieser Stoff
wird zunächst in das gesamte Trinkwasser geleitet und soll dann
verdampfen. Es handelt sich um ein halluzinogenes Inhalationsgift, das
nach Einatmung Panik bzw. psychotische Zustände auslöst. In Batmans
Firmenlabor wird das passende Gegenmittel zu diesem "waffenfähigen
Halluzinogen" entdeckt. Der Held benutzt es nicht nur für den
Eigenbedarf, sondern lässt es zum Schutz der Bevölkerung serienmäßig
produzieren.

Elektromagnetische Wellen und Sabotage der Stromversorgung

Im Actionfilm "Blast" (USA 2004) sind elektromagnetische Wellen der
Schlüssel für eine neue Methode der Kriegsführung. Ein vermeintlicher
Ökoterrorist, der in Wirklichkeit Repräsentant des organisierten
Verbrechens ist, will von einer Bohrinsel aus einen
"Elektromagnetischen Impulsgenerator" (EMP) in Gang setzen bzw.
"abschießen". Dadurch würde es zu großflächigen Stromausfällen bzw.
sogar zu einem neuen "Elften September in ganz Kalifornien" kommen.
Bloßer Stromausfall ist allerdings nicht das anvisierte Ziel. Die
EMP-Bombe soll in einem großen Radius vielmehr alle elektronischen
Geräte unbrauchbar machen. Die Kriminellen haben - ähnlich wie in
"Swordfish" (USA 2001) - durch das Einloggen in Bankcomputer illegale
Transaktionen auf ihr Konto in Milliardenhöhe vorgenommen. Durch die
besagte Sabotage würde es unmöglich gemacht, diesen virtuellen
Geldfluss zu rekonstruieren bzw. näher unter die Lupe zu nehmen.
Voraussetzen muss man wohl, dass die elektronischen Überweisungen auf
Konten außerhalb des EMP-geschädigten Gebietes gegangen sind. - Im
Science-Fiction-Genre wird rein virtuellen Geldgeschäften schon jetzt
keine große Zukunft bescheinigt. Im Jahr 2149, so zeigt der Film
"Velocity Trap" (USA 1997), ist man nach allerlei schlechten
Erfahrungen wieder ganz auf ein materielles Zahlungsmittel umgestiegen
und auf die Bindung der Währung an schweres Gold. - Als Mittel zur
Sabotage an Informationstechnologien und menschlichen Hirnfunktionen
ist die militärische Erzeugung elektromagnetischer Felder übrigens auch
Gegenstand philosophischer Betrachtungen.[3]



In Spielbergs "War Of The Worlds" (2005) wird nicht ganz deutlich, ob
die Lahmlegung der gesamten Elektrizität nur ein Nebeneffekt oder ein
beabsichtigtes Ziel der außerirdischen Kriegsführung ist. Sehr klar
liegen hingegen die Verhältnisse im Science-Fiction-Klassiker "The Day
The Earth Stood Still" (USA 1951) von Robert Wise. Zur Demonstration
ihrer technologischen Fähigkeiten unterbrechen außerirdische Besucher
auf der Erde die Stromversorgung bzw. die Funktionstüchtigkeit
elektrischer Geräte. Doch dabei gehen sie im wahrsten Sinne des Wortes
sehr menschenfreundlich vor. Die Übung ist auf eine halbe Stunde
beschränkt und klammert alle lebenswichtigen elektrischen Apparaturen -
z.B. in Krankenhäusern - aus. Dieser wichtige Film gehört zu jenen
Fiktionen über Außerirdische, die ausnahmsweise einmal nicht die
Bewohner ferner Galaxien als feindselig und kriegerisch denunzieren.
Die Menschen haben die Atombombe entwickelt und machen obendrein große
Fortschritte in ihren Raumfahrtprogrammen. Diese Mischung beunruhigt
andere Bewohner des Weltalls, zumal sie um die wenig überzeugende
Geschichte der menschlichen Zivilisation wissen und nun auch noch -
trotz aller Diplomatie - auf völlige Ignoranz bei den Lenkern der Erde
stoßen. Von Einsprüchen dieser Art wäre mehr zu wünschen. Was
berechtigt uns, das menschliche Programm "Krieg" ins gesamte Universum
zu exportieren?

Kriegsführung durch Manipulation des Wetters
Kriegsführung mit Methoden der Wetterbeeinflussung ist nach Meinung von
Prof. Michael Chossudovsky kein Objekt nur für realitätsferne
Spekulationen[4]:

--"The Strategic Defense Initiative, (Star Wars), not only includes the
controversial `Missile Shield`, but also a wide range of offensive
laser-guided weapons with striking capabilities anywhere in the world,
not to mention instruments of weather and climatic warfare under the
High Altitude Auroral Research Program (HAARP). Recent scientific
evidence suggests that HAARP is fully operational and has the ability
of potentially triggering floods, droughts, hurricanes and earthquakes.
From a military standpoint, HAARP is a weapon of mass destruction.
Potentially, it constitutes an instrument of conquest capable of
selectively destabilizing agricultural and ecological systems of entire
regions."-- Michael Chossudovsky

Einen kritischen Beitrag zum Thema "Wetterkriegsführung" hat Roland
Emmerich im Kino mit seinem frühen Film "Das Arche Noah Prinzip" (BRD
1983) vorgelegt: Nach einem politischen Umsturz bei den arabischen
Verbündeten der USA sollen Flugzeuge nach Riad fliegen und dort
US-amerikanische Geiseln befreien. Aus diesem Grund wünscht das
US-Militär, dass die Mitarbeiter einer Raumstation Bestrahlungen über
dem Indischen Ozean vornehmen. Danach wäre, so die Absicht, der Himmel
über Saudi-Arabien wetterbedingt abgeschirmt. Die Rettungsaktion aus
der Luft könnte unbemerkt erfolgen. Ein europäischer Wissenschaftler
auf der Weltraumstation versucht, sich der Ausführung des Befehls zu
widersetzen. Er beklagt den Missbrauch neutraler wissenschaftlicher
Arbeit: "Die USA haben aus einer friedlichen wissenschaftlichen Arbeit
eine Waffe gemacht. Ich habe immer an die positiven Aspekte der
Wetterbeeinflussung geglaubt. [...] Was ist aus unseren Leitsätzen
geworden, die wir an den Anfang unserer Forschungsarbeit gesetzt
haben?" Die Folgen der Operation INVASION zur Wetterkriegsführung sind
verheerend: "Die Mikrowellenstrahler waren bis zuletzt in Betrieb, und
als die Amis merkten, was sie damit anrichten, war leider nichts mehr
zu ändern. Die Monsunregen Indiens haben zu früh eingesetzt. Die
Überschwemmungskatastrophe ist unbeschreiblich." Die unbequemen
europäischen Mitarbeiter des Raumfahrtunternehmens werden nach ihrer
Rückkehr zur Erde vom Geheimdienst in Gewahrsam genommen. Das Fernsehen
berichtet sehr bald darauf von ihrem Tod. Die Dankesliste der
Produktion lässt auf unabhängige Filmförderrichtlinien der Raumfahrt
Anfang der 1980er Jahre schließen. Darin tauchen ESA (European Space
Agency), NASA und Siemens auf.



Das Thema "Wetter- und Klimakriegsführung" haben danach Filme wie "The
Avengers" (USA 1998), "Die Another Day" (USA/GB 2002) und "The Core"
(USA 2003) ausdrücklich oder indirekt weiterverfolgt. Im Kinotitel "The
Avengers" (USA 1998) - nach der TV-Serie "Mit Schirm, Charme und
Melone" - geschieht das trotz düsterer Wetteraussichten auf humorvolle
Weise: Sir August Winter, einst Wissenschaftler im geheimen
Wetterforschungsprogramm "Prosperos" des britischen Militärs, bündelt
in der Londoner Firma "Wonderland Weather" alle Fähigkeiten zur
Klimamanipulation. Am Ziel angekommen, setzt er seine "Wetterwaffe"
profitträchtig zur Erpressung ein. Alle Regierungen der Welt sollen -
gegen zehn Prozent des jährlichen Bruttosozialproduktes - das Wetter
bei ihm einkaufen.

Besonders sticht der Umgang mit dem Thema im pentagongeförderten Film
"The Core" (USA 2003) ins Auge: Der äußere Erdkern hat sich aufgrund
der Erprobung eines neuartigen Waffensystems der USA zur künstlichen
Erzeugung von Erdbeben von seiner Eigendrehung verabschiedet. Da dies
zur Zerstörung des die Erde umgebenden Magnetfeldes führt, droht
unserer Zivilisation ein rasches Ende. Alle Lebewesen des Planeten
könnten schon bald schutzlos den tödlichen Teilchenstrahlungen der
Sonne preisgegeben sein. Für den Drehbuchschreiber ist dies alles
jedoch kein Grund, sich mit prinzipieller Kritik an militärischen
"Wetterexperimenten" aufzuhalten. Das Gegenmittel wird schließlich auch
vom US-Militär bereitgestellt. Es besteht aus der Zündung von
Nuklearsprengsätzen tief in der Erde.

Bei einer Recherche über Wetterwaffen stößt man im Netz auf allerlei
dubiose Quellen, die einem das Gefühl geben können, der Suchmaschine
ein nicht besonders seriöses Stichwort eingegeben zu haben[5]. Bezogen
auf unerklärliche Wetterphänomene über Norddeutschland kursierten vor
einiger Zeit im Internet militärische Erklärungshypothesen. Am 4.4.2006
stellte der Abgeordnete Ralf Briese (Grüne) dazu sogar eine Anfrage
(1) im niedersächsischen Landtag. Die Landesregierung konsultierte
daraufhin das "Bundesministerium für Verteidigung" und antwortete am
24.5.2006: "Die Luftwaffe verfügt über keine elektronischen Stör- oder
Täuschverfahren, die ein Phänomen dieser Dimension [...] verursachen
könnten. [...] Die Bundeswehr führt keine Experimente durch, die ein
solches Phänomen hervorrufen könnten."

Eine neue Atomwaffengeneration zur globalen "Katastrophenbekämpfung"
Im frühen Science-Fiction-Kino sahen schon die Zuschauer des Films
"When Worlds Collide" (USA 1951) die Erde durch einen auf sie
zurasenden Kometen bedroht. Durch die Dinosaurier-Forschung erhielten
Spekulationen über Meteoriteneinschläge neue Nahrung. In der Forschung
wurden tatsächlich Modelle zur nuklearen Kometenabwehr erwogen. Der
gesamte Komplex gelangte ins Katastrophenkino. In einer Reihe von
späteren Abwandlungen des ursprünglichen Plots blieb das nukleare
Lösungsmodell erhalten, während die Bedrohungsquelle ins Erdinnere
verlegt wurde. Ein frühes Beispiel für die Kometenvariante ist "Meteor"
(USA 1979). Viel später folgten mehrere Filmproduktionen, bei denen das
Pentagon und z.T. auch die Raumfahrtbehörden kooperierten: die
NBC-Serie "Asteroid" (USA 1997), "Armageddon" (USA 1998), "Deep Impact"
(USA 1998) und "The Core" (USA 2003). Das "Wissenschaftliche" wurde in
diesen Titeln mannigfaltig durch "Biblisches" oder "Spirituelles"
angereichert. Im Bereich der B-Movies zeigt daneben der
Katastrophenfilm "Deep Core" (USA 2000), wie nach gefährlichen
Tiefbohrexperimenten gezielte Atomsprengungen zur Rettung der Erde
unerlässlich sind. In "Scorcher" (USA 2002) müssen die USA im
Untergrund der Erde "thermonuklear" intervenieren, weil unterirdische
Atomtests Chinas den gesamten Planeten in Unordnung gebracht haben. In
der TV-Produktion "Descent" (Kanada 2005) wird ein Projekt "Deep"
verantwortlich gemacht für die Entfesselung von Vulkanen. Das angeblich
zivile Energieprojekt ist in Wirklichkeit ein
Rüstungsforschungsprogramm. Zur Verhinderung einer Katastrophe müssen
25 Meilen unter der Erdoberfläche Nuklearsprengsätze gezündet werden.
Für dieses Rettungsunternehmen steht eine eindringende Technologie zur
Verfügung, wie es sie nie zuvor bei Bergbaubohrungen gegeben hat.

Das Ende des Kalten Krieges hat in militärischen Filmen die Suche nach
neuen Bedrohungsszenarien und eine Hinwendung zum Katastrophenfilm
begünstigt. Hypothesen über Kometeneinschläge sind Gegenstand
ernsthafter wissenschaftlicher Forschung, und damit zusammenhängend hat
man über Raumfahrtmissionen zur atomaren Sprengung von "angreifenden"
Asteroiden wirklich nachgedacht. Gleichwohl halte ich an einer These
fest, die ich bereits im Rahmen einer ausführlichen Darstellung[6] der
drei militärisch geförderten Filme "Armageddon" (USA 1998), "Deep
Impact" (USA 1998) und "The Core" (USA 2003) publiziert habe: Filme
dieser Art sind nichts anderes als eine massenkulturelle Vorbereitung
und Bewerbung von Atomwaffen einer neuen Generation, für deren
Entwicklung und Einsatz man seit Jahren alle Hindernisse aus dem Weg
geräumt hat.



Im Science-Fiction-Film "War Of The Worlds" (USA 1953) erschien ein
Atompilz als ungefährlich für die sich rettende Menschheit. In
"Battlefield Earth" (USA 2000) sind die Menschen einer fernen Zukunft
angesichts der Besetzung der Erde durch außerirdische
Rohstoffimperialisten vom Planeten Psychlo dankbar, dass ihre Vorfahren
vor langer Zeit ein nunmehr sehr nützliches Atomwaffenarsenal
zusammengestellt haben. In "Independence Day" (USA 1996) wird
vorausschauend eine Lanze gebrochen für "kleine" Hightech-Kernwaffen
(euphemistisch: Mini-Nukes). In der besagten, militärisch gesponserten
Katastrophentrilogie geht es jedoch ganz gezielt um nukleare
Erdpenetratoren. Die Botschaft aller drei Filmtitel lautet: Wir
brauchen, um gegen die schlimmsten Katastrophen gefeit zu sein,
unbedingt Atombomben, die tief ins Erdreich bzw. in Gesteinsschichten
eindringen können. In allen Fällen spielen technologische
Eindringhilfen, wie sie auch die neuen "Robust Nuclear Earth
Penetrators" erhalten sollen, eine wichtige Rolle. In "Deep Impact"
erweist sich die Bohrtechnologie für den tiefen Einsatz von
Nuklearsprengköpfen als noch unzureichend. In "Armageddon" liefert die
Ölförderindustrie die passende Hightech für eine Bohrtiefe von 300
Metern, und in "The Core" stehen fünf Jahre später perfekte
Laser-Anwendungen zur Verfügung, die viele tausend Meter bis zum
Mittelpunkt der Erde vordringen! Nunmehr kann es dem Kinozuschauer
glaubwürdig vermittelt werden, dass atomare Bunkerbrecher bzw.
Erdpenetratoren nicht nur im Weltall das Überleben sichern und dass sie
mit Blick auf die bewohnte Oberfläche unseres Planeten niemandem Sorge
bereiten müssen. Während die laut Auskunft der Experten nur minimale
Eindringtiefe der neuen Atomwaffengeneration real eine riesige
Bedrohung darstellt, gibt es auf der Leinwand schon vorweg die
Entwarnung: Die radioaktiven Strahlungen bleiben tief im Erdreich unter
Verschluss.

Der Krieg als Vater menschenfreundlicher Technologien? Damit wird eine
unheilvolle Tradition der massenkulturellen Erinnerungspolitik im
Atomzeitalter (2) durch die offensive Bewerbung neuer militärischer
Nukleartechnologien in aufwändigen Kinoproduktionen fortgesetzt,
während wichtige kritische Beiträge aus der Filmgeschichte (3) schon
fast vergessen sind. Angesichts der Tatsache, dass es sich bei
maßgeblichen militärischen "Innovationen" vor allem auch um neue
Massenvernichtungstechnologien handelt, wirkt das auf Nebenschauplätzen
abgegebene Versprechen zu neuen "menschenfreundlichen" Kriegen mit so
genannten "Non-Lethal Weapons" etc. wenig glaubwürdig.

Da der Mensch im Gegensatz zu den Tieren schier unbegrenzt
Waffentechnologien erfinden kann, ist er auf Kulturfähigkeiten zur
Eindämmung und schließlich Überwindung der daraus resultierenden Übel
zwingend angewiesen[7]. Im Zeitalter der in immer kürzeren Intervallen
erfolgenden Technologieschübe gilt: Die zivilisatorische Errungenschaft
des Internationalen Rechts muss, da unser kulturelles Erfahrungswissen
und unsere gesamte Kulturentwicklung schon lange nicht mehr Schritt
halten, vergangenen Lernprozessen der Weltgesellschaft "Dauer"
verleihen und große Defizite ausgleichen. Im Endergebnis heben jedoch
gerade die Visionen der "Revolution in Military Affairs" die Konzeption
eines Völkerrechts, das die Menschheit gemäß UN-Charta (1945) von der
"Geißel des Krieges" befreit, aus den Angeln[8]. Wer allmächtig ist
und alles kontrolliert, den kann niemand mehr kontrollieren. Dass der
Krieg "Vater aller Dinge" sein soll, wie der griechische Philosoph
Heraklit einst meinte, können wir im Atomzeitalter nicht länger wie
eine ewige Wahrheit hinnehmen. Dass der Krieg insbesondere auch
weiterhin der "Vater" aller zukunftsweisenden Technologien bleiben
soll, stellt die Fortdauer unserer gesamten Zivilisation in Frage. "Für
Michael Geyer, Professor für Gegenwartsgeschichte an der University of
Chicago, Spezialgebiet moderne Militärgeschichte, zeigt sich in der
Militärdoktrin `der genuine amerikanische imperiale Traum: die
Verbindung von Technologie, Utopie und amerikanischer Superiorität, als
Selbstdefinition im Zeitalter der einen Weltmacht.`[9]" Ein Großteil
des populären Science-Fiction-Kinos besteht darin, der nicht nur in
Washington angesagten Militärutopie argumentative Beihilfe zu leisten
und sie ästhetisch aufzuwerten. Das hat mit Wissenschaft und kreativer
Geistespotenz wenig zu tun, aber sehr viel mit Ideologie. In der
laufenden UNO-Dekade für eine Kultur der Gewaltfreiheit bräuchten wir
dringend intelligente Science-Fiction, die den Spuren seriöser
Wissenschaft folgt.

LITERATURANGABEN

[1]Vgl. D. L. Robb, Operation Hollywood, New York 2004, S. 119

[2]Zum Thema "Mikrowellen-Waffen" enthält die Netzseite
http://www.mikrowellenterror.de (4) durchaus eine Reihe von
weiterführenden Hinweisen auf Beiträge in der so genannten
Qualitätspresse. Indessen ist die Seite selbst ein Beispiel für private
Ängste, die durch neue Waffenforschungen genährt werden.
Mikrowellen-Waffen (Directed Energy Weapons/Radio Frequency Weapons)
werden dort nämlich nicht nur als "Anti-Electronics-Weapons" (gegen
Hubschrauber, Flugzeuge, Computersysteme etc.) thematisiert, sondern
vor allem auch als Anti-Personen-Waffen, die der kriegerisch gestimmte
Nachbar mit einigen technischen Kenntnissen aus seinem
Mikrowellen-Haushaltsgerät herstellen kann.

[3]In einer Rezension zu Peter Sloterdijks Buch "Luftbeben" (2002)
schreibt Christoph Asendorf:

--"Neben der Entwicklung von Wetterwaffen, um Kampffeldbedingungen zu
manipulieren, wird gegenwärtig, folgt man mit dem Autor der
Fachliteratur, an der Erzeugung hochenergetischer elektromagnetischer
Felder gearbeitet, welche auf beliebige Punkte der Erdoberfläche
konzentriert werden können und so Fernangriffe nicht nur auf
Informationsnetze, sondern auch auf zerebrale Funktionen erlauben. Erst
hier scheint ein vorläufiger Endpunkt militärischer Raumrevolution zu
liegen."-- Süddeutsche Zeitung (5)

[4]M. Chossudovsky, The US Nuclear option and the "war on terrorism", Rede
auf dem IPPNW-Atomkongress 2004 in Berlin. (
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Atomwaffen/chossudovsky.html
(6))

[5]So ist das Thema "Klimamanipulation" z.B. in rechtsextremistischen
Kreisen Gegenstand abstruser Verschwörungstheorien. In der weltweit
"größten germanischen Online-Gemeinschaft" schreibt der Hitler-Verehrer
"Feldherr" entsprechende Fähigkeiten vor allem den nordischen Göttern
und Völkern zu. Im Rahmen der "Volksaufklärung" des "Bundes für echte
Demokratie" warnt eine im Internet veröffentlichte Zuschrift im
gleichen Atemzug vor der "zionistischen Verschwörung" und vor atomaren
Wetterwaffen.

[6]Vgl. P. Bürger, Kino der Angst - Terror, Krieg und Staatskunst aus
Hollywood, Stuttgart 2005, S. 384-401. (Das nachfolgende Resümee ist -
mit unwesentlichen Veränderungen - dieser Arbeit entnommen.)

[7]Vgl. außerdem in C. F. v. Weizsäcker, Die Zeit drängt, München-Wien
1986, S. 61 als weiteren möglichen Aspekt: "Der körperlich zunächst
unbewaffnete Mensch hat die Hemmung [der Tiere, Artgenossen zu töten,]
wohl instinktiv zu wenig; er muss sie in der Kulturentwicklung als
bewusste Leistung erwerben." Hierbei gilt jedoch, dass der unbewaffnete
Mensch nur unter außergewöhnlichen Umständen seinesgleichen mit eigenen
Händen bzw. aus Augennähe tötet.

[8]Zudem werden gegenwärtig ja gerade von Repräsentanten der "christlichen
Welt" Rückschritte hinsichtlich des in Fragen von Menschenrechten und
Kriegsführung bereits erzielten Zivilisationskonsenses propagiert.

[9]G. Seeßlen/M. Metz, Krieg der Bilder - Bilder des Krieges, Berlin 2002,
S. 127.

LINKS
(1) http://donnerwetter.de/news/news.mv?id=6718
(2) http://www.telepolis.de/r4/artikel/20/20614/1.html
(3) http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22776/1.html
(4) http://www.mikrowellenterror.de
(5) https://sz-mediathek.sueddeutsche.de/mediathek/shop/catalog/ShowMediaDet
ailVP.do;jsessionid=93D4CF8742BE20124E46A73EBB4386BC.kafka:9009?pid=5936
71+extraInformationShortModus=false
(6) http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Atomwaffen/chossudovsky.html

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