GLOBAL GRAFFICS 06: Michael Gaide

Dienstag, 28. März 2017 um 10:04 - futziwolf
"Und ist das Grab kühl und dunkel, so kann es keine Hölle sein."

Michael Gaide

Holzintarsien - Poetry - Installationen

Vita:

geboren 3.6.1953 in Krefeld-Uerdingen1960 - 1973 Schuldasein inklusive Abitur
1974 - 1983 Studium Freie Universität Berlin - (Diplom-Biologe)
1984 - 1985 Ausbildung zum EDV-Fachmann
1986 - 1997 Angestellt als EDV-Fachmannseit 1997 freischaffender Kunsthandwerker

artist website:
http://www.michaelgaide.de/





Michael Gaide und seine Gemälde aus Holz:
Intarsien sind bekannt seit der Antike und aus fast allen Kulturkreisen. In manchen Epochen ( Renaissance, Barock, Jugendstil ) erlebte dieses Handwerk in seiner Hochblüte den Rang einer eigenen künstlerischen Form. Auch in unserer Zeit - meist vor der Öffentlichkeit verborgen - gibt es immer wieder sehr anschauenswerte Werke, die hohen Ansprüchen an künstlerischer Gestaltungskraft gerecht werden.Der in Osnabrück lebende Kunsthandwerker Michael Gaide ist Autodidakt und bietet mit seinen aufwendigen Intarsienbildern Beispiele über den virtuosen Umgang mit Furnierholz, die schon auf vielen Ausstellungen und Messen von den Besuchern bewundert wurden ("Gemälde aus Holz"). Das Neue an seinen Intarsienbildern ist die ihnen eigene Bildsprache mit Sujets und Motiven, die er selber entwirft. Seine Arbeiten zeigen sehr unterschiedliche Motivwelten, in denen Anregungen aus Renaissance, Jugendstil und Surrealismus zu entdecken sind. Dazu finden sich Landschafts-, Wald- und asiatische Bambusmotive, die zum Teil auch Türformate annehmen können. Themen wie der babylonische Turm erinnern an Piranesis Kerkerbilder ohne diese zu imitieren, sondern um daraus selbständige, hochdiffenzierte Bildmotive zu gestalten. 2003 wurden von der Jury fünf Intarsienbilder von Michael Gaide zur Teilnahme an der "arte regionale" in der Dominikanerkirche (Osnabrück) ausgelobt. 2004 wurde er nach Paris zur Teilnahme an den "Journées internationales de marqueterie contemporaine" eingeladen.



poetry:
Mittendrin - ein Inferno guter Stimmung
Die Fußgängerzone der Stadt war mit Fahnen, Ballons und Wimpeln bunt geschmückt, die Sonne brannte gnadenlos aus einem wolkenlosen Himmel. Techno-, Rap und Schlagermusik dröhnte aus Lautsprechern, fröhliche Menschen sammelten sich um Getränkestände und Fahrbetriebe, junge Leute schwangen sich in ihren Schiffschaukeln jauchzend hoch in ihren Himmel. Aus dem Radio einer Eisdiele plärrte die Stimme eines Nachrichtensprechers: "... ein wunderschönes Straßenfest, Hunderte von Polizisten sorgen für Ruhe und Ordnung. Scharfschützen haben alles im Blick. ..". In der Mitte der Straße wuchtete eine große Schar junger Männer unter rhythmischem Geheul einen riesigen alten Lastkahn quietschend über das Pflaster; mit jedem Ruck sprühten Funken wie Blitze unter dem Kahn hervor. Dabei wurden sie von den umherstehenden Gaffern lautstark angefeuert und zur Erfrischung mit Fontänen aus Bier und Sekt angespritzt, so dass diese sich unter der Galeerenqual mit ihren von Nässe glänzenden Körpern wie Sieger fühlten.Von einer Bühne grölte ein Moderator fragend ins Publikum: "Seid ihr gut drauf?" Aus einer Welle der Verzückung johlte ein vielstimmiges "Ja" zurück.Einige Schritte weiter vor einem Eiscafe versuchte eine junge Mutter ihren nölig quängelnden Säugling durch sanftes Schaukeln des Kinderwagens in den Schlaf zu wiegen, was aber völlig misslang sondern im Gegenteil bewirkte, dass der Säugling immer lauter schrie und sogar die nächst stehenden, plärrenden Lautsprecher übertönte. Einzelne Gäste des Eiscafes verließen ihre Plätze, nachdem sie wütend ihre Eisbecher und Biergläser in den Kinderwagen entleert hatten und dies den Säugling auch nicht zur Ruhe gebracht hatte. Die junge Mutter war inzwischen voller Zorn aufgestanden, um den Kinderwagen heftiger schaukeln zu können, als dies im Sitzen möglich war. Dabei riss sie diesen förmlich um sich her, so dass der Säugling aus dem Kinderwagen geschleudert wurde. Der kleine Körper flog wie ein Geschoss durch die Luft und schlug mit dem Kopf an die Kante eines Betonblumenkübels. Ein Blutstrahl spritzte von der Stirn des Babys in die Rabatte, es schrie röhrender als zuvor, was die Wut der jungen Mutter noch mehr entfachte. Sie fasste das Kind an einem Bein, schwang es wie ein Lasso im Kreis über ihrem Kopf im Rhythmus des Stampfens des Lastkahns, um es mit aller Kraft ihrer aufs Höchste entflammten Wut wieder auf die Betonkante zu schmettern. Das Blut spritzte heftiger und als die Frau den kleinen Körper wiederum hochriss, fiel diesem ein Arm ab; ein weiterer Schlag des Kopfes auf den Betonkasten zerquetschte das Gesicht ließ Augen und weiße Gehirnmasse aus dem offenen Schädel quellen , brachte aber auch endlich die lang ersehnte Stille des Mundes. Die junge Mutter ließ das, was von ihrem Säugling übrig geblieben war, zwischen den blut-verschmierten Blumen liegen und setzte sich wieder an den Tisch, um ihren Eisbecher trotzig gelangweilt auszulöffeln. Ein Hund von dem neben dem Blumenkübel sitzenden Stadtstreicher schnupperte an dem zuckenden Fleischknäuel und begann an dem blutigen Ende des abgerissenen Arms zu nagen. Ein Polizist, der dies beobachtete, brüllte ein Kommando in sein Funkgerät und sofort sprang eine Horde Müllmänner aus einer Seitenstraße hervor; sie verscheuchten den Hund unter Protestgeheul des sich vergnügenden Publikums und deckten die Reste des Körpers mit einigen zerfetzten Plastiktüten zu. Weitere Polizisten und Müllmänner drängten die johlende Menge auseinander, um den Weg für einen Roboter frei zu machen, das den Apparaten glich, die auch von Sprengstoffbeseitigungskommandos benutzt wurden. Eine Gestalt in Ganzkörperschutzkleidung, die nicht allein silbern in der Sonne glänzte, sondern auch übersät war mit hell blinkenden Lichtern, steuerte das Gerät per Funk auf den zermatschten Kinderkörper im Blumenkübel zu. "Der Silbermann, der Silbermann," riefen Stimmen aus der Menge. Zwei Greifarme fasten die Plastikfetzen mit den Resten des blutigen Körpers, ein Deckel öffnete sich und Plastik, Fleisch und Knochen verschwanden im Innern des Roboters. Als der Deckel das Gerät verschlossen hatte, steuerte die glänzend leuchtende Gestalt den Roboter in Richtung der Seitenstraße; er hatte Mühe den Weg frei zu bekommen, denn mittlerweile drängelte sich eine große Zahl der Straßenfestbesucher von Sinnen jubilierend um den Roboter; sie streckten ihre Arme aus in orgiastischem Schunkeln, wie um ihn zärtlich zu streicheln und sangen dabei den alten Choral: "Und ist das Grab kühl und dunkel, so kann es keine Hölle sein."



Ausstellungen:
Einzelausstellungen: (Auswahl aus den letzten Jahren)2001 Villa Stahmer (Georgsmarienhütte)
2002 Galerie Seidenstraße (Osnabrück)
2003 Galerie Artisan (Berlin)
Galerie im Jodocus (Osnabrück)
2005 Stadtbibliothek Osnabrück
Galerie im Cafe Laer (Osnabrück)
2006 Gasthaus Remise (Osnabrück)
Galerie weissfaktor (Osnabrück)Gruppenausstellungen:(Auswahl aus den letzten Jahren)1998 Kunst- u. Handwerkermarkt Worpswede
1999 47th National Marquetry Exhibition, (Stoke-on-Trent, GB)
2000 Galerie Hollerhaus (Irschenhausen)
2001 Ligna-Plus: Holz in Künstlerhand (Hannover)
Kulturelle Landpartie (Wendland bei Klaus Hesse)
2002 Kloster Benediktbeuern (Obb.)
2003 Arte regionale III (Dominikanerkirche Osnabrück)
2004 Journées Internationales de la Marqueterie (Paris)
2005 Holz in Künstlerhand, Ligna (Hannover)
Galerie Spiegel, (PW-Eisbergen) (mit Polushkin, Perm)
2006 Projekt Babylon: Installation "Wir sind babbeln"
im Rahmen der Arte4 mit Ivon Illmer (Osnabrück)Auszeichnungen:2000 Euro-Ehrennadel in Gold "AMI DE L`EUROPE"
für Kunst und Kultur des Europäischen Kulturkreises

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