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Mi, 23.09.2020 Die Gruppe OIL im DRUCKLUFT

von 20:00 bis 00:00
Die Gruppe OIL
http://www.facebook.com/Frackit/

praesentiert von: SPEX - Magazin fuer Popkultur und ByteFM


Die Gruppe OIL besteht aus 4 kaltgepressten Maennern mit sardonischer Abschlussstaerke: Gereon Klug, Timur "Mosh" Cirak, Reverend Dabeler und Maurice Summen. Ihre geographischen Wurzeln: Tuerkei, Hamburg, Muensterland, Siegen. Eine Men-Band, die sich aus ideellen Gruenden zusammentat. Teilweise sind sie befreundet oder sich zumindest nur wenig spinnefeind.

Am 06.03.2020 veroeffentlichen sie "Naturtrueb" als Buch im Verbrecher-Verlag und als Doppel-Album bei ZickZack.

Es soll hier bei null losgehen. Wie bei den zahlreichen Geschoepfen, die vor Millionen Jahren ihr Ende fanden, ins Sediment hinabfielen, um schliesslich : in schleimiges fossiles Erdoel verwandelt - dem Kapitalismus beim Verbrennen der Erde behilflich sind. Denn an Pflanzenoel ist nicht zu denken, wenn OIL, die Band, ins Spiel kommt. An Funkenschlag nebst Entzuendung dagegen schon. Denn OIL ist eine Band mit entflammbarem Material. Sorgfaeltig zusammengesetzt von vier Herren, die ihre Meriten verdienen in den Faechern Schallplatten, Schauspiel, Gastronomie, Comics und Verwirrungsschriften: Reverend Dabeler, Timur "Mosh" ăirak, Gereon Klug, Maurice Summen.

Aber wir wollen ja bei null anfangen. Also: Die Musik? Lecker. Sandwich-Scheiben aus Funk werden - wahlweise oder alle zusammen : mit Gitarrenkrach, Blues-Disco und Fehlerelektronik belegt. Satte Orgeln sappschen sporadisch heraus. Attraktive Postpunk-Baesse halten den Laden zusammen. Koenner der Garage? Herr Klug, der Schelm aus der grossen Stadt, schickte mir zur Einstimmung das Bild zweier heruntergekommener Huetten im Nirgendwo von Schleswig-Holstein, um mich in die richtige Stimmung zu bringen, vermutlich. Denn es stimmt, das hier ist keine Garagen-Musik, noch nicht mal Carportmusik. Es ist Huettenruinen-Musik mit Lichtorgel. Es zieht an allen Ecken durch die Ritzen. Tanzen gilt an solchen Orten manchmal als Strategie zum Knochenwaermen. Dann kann einem heiss werden. This is OIL, and not a PIL-Song!

OIL behandeln Themen, die auch Bewohnern im Kreis Rendsburg-Eckernfoerde unter den Wischfingern brennen. In der Reihenfolge ihres Erscheinens: Fracking, Menschwerdung, Porno. Hergeholtes Ueberselbstbewusstsein trifft auf Sofahocker mit Tchibo-Account und latenter Hass-Blase. Kommunikationsmittel sorgen fuer die Unmoeglichkeit zu kommunizieren ("Du ich meld mich spaeter"). Yoko Ono wird durch die Sahnetorte gezogen, verklagt alles und jeden wegen allem und jedem. Dazu spielt dann eine Art freies Fluxus-Saxofon, als wuerde OIL kurz herueberwinken zu "Loud", dem Koennen-Keinen-Freejazz-Spielen-Spielen-Ihn-Aber-Trotzdem-Meisterwerk der Do-It-Yourself-Koenige Half Japanese. Nur eben ohne Free Jazz. Denn OIL wollen dich nicht verrenken, sondern tanzen sehen. Auch zu Tracks, die "Wichsbold" oder "D.I.Y." (Mach`s dir selbst) heissen.

Das Gute an OIL ist, dass sich die Musik traegt. Das Gute ist umgekehrt auch, dass sich die Texte tragen. Wie bei Helge Schneider, der fuer das Titelstueck "Naturtrueb" Pate gestanden haben koennte. Vielleicht war aber auch eher Captain Beefheart das Vorbild. Ueber einen Instrumentaltrack einfach druebersprechen, ein Strom galliger Anklage, "es kann doch nicht der Sinn von Musik sein, einfach nur zu jammen" jammt die Musik zum grossen Diss der doofen Erde, die Beefheart den "Golfball Gottes" nannte: "Hey, Erde! Das ist einfach eine Underperformance, die du uns hier ablieferst!". "Lass uns doch endlich mal losfliegen!" Und dann fliegt die Band tatsaechlich los wie Donny Hathaways "The Ghetto". Und das ist jetzt wirklich ganz ernsthaft und ohne Scherzkekserei echte Oberklasse!

Location: DRUCKLUFT
Ort: Oberhausen

 
 
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