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Do, 28.03.2019 Die Goldenen Zitronen im ZAKK

20 Uhr
Einlass 19 Uhr im Club
Die Goldenen Zitronen
http://www.die-goldenen-zitronen.de/
http://www.facebook.com/Die-Goldenen-Zitronen-260606172342/
http://youtu.be/zl9YTb93u8Q

More than a feeling - Live 2019
die Hamburger Band stellt ihr neues Album im zakk vor!



Haltung zeigen gilt heute als zentrales Merkel fuer politische
Popkultur. Waren wir da nicht schon einmal weiter? Fanden wird nicht irgendwann mal bloss Haltung zeigen zu ausgelutscht? Zu ausbeutbar, zu umdeutbar in ein Just-Do-It-Rebellentum? Heute, wo sie selbst im tropischen Brasilien, einst Traumland der Globalisierungskritiker_innen, einen Rechtsradikalen zum Praesidenten waehlen, greifen wir wieder instinktiv in die Schublade, dahin, wo die guten alten Haltungen lagern. Und die bewaehrten Genres gleich daneben. Wir halten sie vor uns her wie Schutzschilde. Bella Ciao :komm, wir waermen uns am alten Partisanenlied! Komm, wir singenAntifa-Stadionpunkrock wie frueher! Rebellischer Reggae und Hiphop, hoch die Faust, da wissen wir wenigstens, wo wir dran sind. Ein verrauchtes Honky-Tonk-Piano erklingt: "Komm Joe, mach die Musik von damals nach!" So heisst es in Brecht`s Dreigroschenoper, die Goldenen Zitronen zitieren das. Schon auf einer ihrer frueheren Platten (ich weiss nicht mehr welche) haben sie sich beschwert, warum es immer "Nazis raus!" heisst, wo doch jeder weiss, dass die Nazis hierher gehoeren.So sind die Goldies. Immer voll drauf mit den Waffen der Kritik. Sezieren, aufspiessen, Widersprueche polieren. Noergel, noergel, mecker mecker. Vielleicht sind die Goldies nach wie vor eine Punkband, aber wenn dem so ist, dann ist Punk eine Haltung, die Haltungen (musikalische, inhaltliche) sucht, die es noch nicht gibt. Bei den vergangenen Platten war diese Suche gerne ein kollektives Unterfangen, die Songs entstanden in Jams und gemeinsamen Debatten. Auf "More Than a Feeling" sind die Goldenen Zitronen arbeitsteiliger vorgegangen, eher so wie zeitgenoessische Hiphop-Produktionen entstehen. Acid, DAF, Ernst Busch, Kendrick Lamar, Punkrock, Stoergeraeusche, Experimente mit Sequencer und Drummachines: Die Goldies aeussern sich immer so, wie es bisher niemand gemacht hat, musikalisch und inhaltlich. Sieinteressieren sich fuer "das schwer Benennbare", wie es in "Die alte Kaufmannsstadt, Juni 2017" heisst, ein Stueck, das die Geschichte des G20-Spektakels in Hamburg erzaehlt. Die Goldenen Zitronen haben waehrend der G20-Proteste zur Eroeffnung der linksautonomen "Welcome to Hell"-Demo gespielt. Denn "the wealth of the few is hell to the others", so erklaeren sie es, ohne sich die Kritik der "Rollenfestspiele" zu versagen: "Wie meist bei solchen Anlaessen war nicht klar ob diejenigen, die hier diesen Kampf in symboltraechtigen Bildern ausagierten auch wirklich verstaendlich sind fuer die Verdammten dieser Erde,fuer die sie bei solchen Anlaessen ja immer zu sprechen glauben / Die Gesichter die man hinter den schwarzen Kapuzen und

Sonnenbrillen sehen konnte waren weiss und meistens maennlich." Die Gesichter der Goldenen Zitronen sind auch weiss und meistens maennlich, aber immerhin ziehen sie sich ab und an mal die Schuhe von anderen Leuten an. Wie zum Beispiel in "Es nervt", mitgeschrieben und gesungen aus der Perspektive einer schwarzen Person, die das Verhalten weisser Linker reflektiert, im Original ein Stueck von Schwabinggrad Ballett & Arrivati, deren Saengerin Latoya Manly-Spain hier als Gast singt: "Wir, das edle Objekt of your projections, Protagonistinnen euer Schlachtengemaelde / Solange wir nicht das Falsche sagen und euchenttaeuschen mit falschen Vorwuerfen und Undankbarkeit"."Ohlalalala" singen die Goldies auch, aber dann gleich: "Sehe ich Dunkles hinter deiner Tuer / Ich bin da, ich helfe dir". Spielt "Nuetzliche Katastrophen" im Kopf von Caligula? In dem von Bjoern Hoecke oder Viktor Orban?oder von Boris Johnson ? Geht`s hier um die tot geglaubte Wiederkehr von populistischer Feindbildproduktion zum machtpolitischen Selbstzweck?Oder seh` ich mich noch auch ganz gerne in der Trotzdem-alles-im-Griff-Rolle? Diese beunruhigende Gewissheit, dass das Private politisch ist, liegt oft unter den Texten der Goldenen Zitronen. "Ich weiss jetzt das du Angst hast vor Veraenderung / Obwohl du gern nach Teneriffa fliegst", heisst es in "Bleib bei mir" (feat. Sophia Kennedy). More than a feeling eben. Selbst ein retro-und funmaessig daherkommender Song wie "Das war unsere BRD" bringt einen ganz schoen zum Gruebeln: "Aufkleber, die die Gesinnung klaeren", "Polizisten im Safarilook", weisst du noch, Schatz? Aber waren wir damals besser dran? Was heisst ueberhaupt "Wir"? "More than a Feeling" ist nicht zuletzt auch eine Sammlung von verzweifelten Spottliedern, also Songs, bei denen du nicht recht weisst, ob nicht die Verzweiflung ueber das Verspotteteden Spott noch durchdringen laesst. Wie in "Mauer bauen" zum Beispiel, wo sich die Goldies fragen, was eigentlich mit "Volk" gemeint ist: "Meinen sie damit, dass sie um die Nasen die sie tragen wollen, dass sie um die Musik die sie hoeren wollen, um die Autos die sie fahren wollen, um die Schweine die sie essen wollen, um die Schritte die sie marschieren wollen etwas herum bauen wollen, um nur "ihr wir" sein zu koennen?" Irre ich mich, oder gab es je auf einem Album der Hamburger Band so viele "Hae?", "What?" oder "Was?"-artige Ausrufe gleich im Eroeffnungsstueck "Katakombe"? Nicht immer gleich die Haltung aus dem Schrank holen. Erstmal verstehen wollen, was eigentlich abgeht.

Location: Zakk
Ort: Fichtenstrasse 40, 40233 Duesseldorf

 
 
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