RFID- die Überwachung von morgen ? - aktualisiert am 03.11.2006

Freitag, 10. Juli 2020 um 17:43 - Toxo
Jeder kennt die allgegenwärtigen Barcodes, auf allen Produkten sind sie zu finden und ihre bildliche Darstellung wird oftmals im Zuge der Kapitalismus- und/oder Datenschutzkritik verwendet. Der neueste Spaï¿œ seitens der Industrie bzw. des Staates (oder der Staaten) ist ein ganzes Stückchen raffinierter und auch "gefährlicher": RFID (radJeder kennt die allgegenwärtigen Barcodes, auf allen Produkten sind sie zu finden und ihre bildliche Darstellung wird oftmals im Zuge der Kapitalismus- und/oder Datenschutzkritik verwendet. Der neueste Spaß seitens der Industrie bzw. des Staates (oder der Staaten) ist ein ganzes Stückchen raffinierter und auch "gefährlicher": RFID (radio frequency identification; zu Deutsch "Radiowellenidentifikation").

Hinter dieser Technologie verbirgt sich ein winziger Chip (Fläche z.T. <1mm²), völlig flach und ist unabhängig von einer eigenen Stromversorgung. Wird er von einem speziellen Scanner angefunkt, "antwortet" er mit der Übersendung der in ihm gespeicherten Informationen, dabei bezieht er die nötige Energie aus dem Signal des Senders. Viele schöne Anwendungsgebiete könnte man sich dafür vorstellen; sei es die Supermarktscannerkasse, an der man nur mit seinem Jutebeutel voller Bier oder sonstigen Schnickschnack vorbeilaufen muss, anstatt umständlich jede Büxe einzeln einzuscannen oder das Schwimmbad, an dessen Eingang man nicht mehr umständlich eine Pappkarte in einen Schlitz fummeln muss, sondern einfach so dran vorbeispaziert, ohne dass es einen Alarm gibt (vorausgesetzt, man HAT bezahlt).

Als "offensichtliches Argument" für die Nutzung dieser Chips wird meist neben der die bequeme Möglichkeit des Einkaufens und des Chips als "Eintrittskarte" erwähnt, dass die kleinen Funker auch in der Logistik helfen, Waren zu lagern, wiederaufzufinden und mit Hilfe vollautomatischer Verladeautomaten zuverschicken. Tickets im öffentlichen Nahverkehr, Stempelkarten, Ausweise in allen Möglichen Einrichtungen, ja sogar die Speicherung von medizinischen Daten direkt unter der Haut können bequem ausgelesen werden.

Soweit die technischen hintergründe und die "Werbung" für RFID, die eine glänzende, sorgenfreiere Zukunft vorhersagt.Aber ist das wirklich alles so herrlich ?

Zum Ersten: Barcodes, ok man hat sich daran gewähnt, sie auf jeden Produkt zu finden. Und, naja, wenn man ehrlich ist, es ist auch einigermassen praktisch, das das Kassenpersonal nicht andauernd nach Preisen ausrufen muss oder sich beim schnellen Eintippen vertut und den Kaufpreis erhöht.Desweiteren ist der Bürger an Funkchips auch gewähnt, basieren doch die gängigen Ladendiebstahlsicherungen auf Funkchips, die der Detektor am Ausgang als nicht bezahlt erkennt und Alarm schlägt. Der Unterschied zu diesen schon lange benutzen Chips ist: Sie sind einbittig (1 Bit), d.h. sie kennen nur 2 verschiedene Zstände, können als nur 2 verschiedene Informationen aussenden, in dem Fall "bezahlt / nichtbezahlt".

Die kommenden RFID Chips können jedoch eine spezielle Nummer tragen, die weltweit einmalig ist, ein sogenannter GUID(Globally Unique Identifier). Damit ist es Möglich, nicht nur die Art eines Produktes (z.b. Buch x von Autor y aus dem blabla Verlag) auszulesen, sondern auch um WELCHES dieser Bücher es sich handelt. D.h. selbst wenn es ein Produkt in tausendfacher Ausführung in einem Laden gibt, trägt jedes Exemplar eine andere, eindeutig identifizierbare Nummer. Laut Handel liegt der Vorteil in der Verwaltung. Andererseits können Konsumprofile um ein vielfaches genauer erstellt werden als es z.b. bisher mit Hilfe von Rabattmarken in Verbindung dem Speichern vom gekauften Waren Möglich ist. Das schafft einen viel gezielteren Einsatz von Werbebotschaften, da jeder Zeit Vorlieben und Geschmack eines Kunden auswertbar ist.

Die größtee Gefahr bei Nutzung von RFID ist jedoch wohl die totale Transparenz des Datenflusses. Denn es wird überprüfbar, WO ein bestimmter Artikel WANN in WELCHER STADT IN WELCHER MENGE zusammen mit WELCHEN ANDEREN Produkten erworben wurde. Wenn man dann auch noch mit Karte bezahlt hat oder seine Rabattcard benutzt hat ist auch noch festzustellen WER der Käufer war. Wird zuvor verkauftes Produkt wo auch immer auf der Welt gefunden (als "Müll" -> Ordnungsgeld) kann(!) der Besitzer ruckzuck gefunden werden. Es wird so sehr viel einfacher, zu ermitteln, welche Personen an einem bestimmten Ort aufgehalten haben. Dadurch können noch genauere Personenprofile erstellt werden ("War die Person auf diesem Fest / Demo usw usw)

Natürlich bedarf die Verwaltung und Überwachung jedes EINZELNEN Produktes einen ungeheuren Aufwand an Rechnerkapazitäten. Daher denke ich, das RFID erstmal nicht auf diese (ProdukteinzelÜberwachungs-)Weise benutzt werden. Doch die Vernetzung und Verwaltung von Datenbanken wird immer mehr automatisierbar, und irgendwann "lohnt" es sich, alle gesammelten Daten zu verknüpfen, die Technik ist dann schon im Umlauf und dem Bürger vertraut. Es wird daher nicht nur eine "bequeme" Verwaltungstechnik eingeführt, sondern die Grundlage einer lückenlosen Rückverfolgung installiert.

Bisher versichern die an RFID-Projekten beteiligten Firmen, dass die Funkchips auch beim Verlassen des Ladens deaktiviert werden. Doch verlassen sollte man sich nicht darauf. So geht das Gerücht sollen z.B. ahnunglose Kunden Pullover einer Bekleidungsfirma gekauft haben, in denen RFID-Chips "unsichtbar" eingewoben worden. Solange diese nicht zerstört sind, lassen sie sich durch verdeckte Scanner z.b. in Türrahmen auslesen, und erlauben somit nicht nur Konsum, sondern auch Bewegungsprofile.

Eine weitere Hürde zur totalen Überwachung sind derzeit die Datenschutzbestimmungen hier. Bisher dürfen Polizei und andere Behörden Informationen über Kaufverhalten nicht von Kaufhäuser oder anderen Konzernen verlangen, doch wie man im Bereich der Internetprovider (müssen Benutzerdaten von IP adresse auf Verdacht bekannt geben, Emailanbieter sind verpflichtet, auf Verdacht emails ihrer Kunden an Behörden weiterzuleiten) oder des Bankgeheimnis (das es ja seid dem 01.05.2005 NICHT mehr wirklich gibt) sind die Änderung solcher Gesetze nur eine Frage der Zeit. Zur Not hält wohl der aktuelle Sündenbock, der weltweite Terrorismus her.

Was bleibt also noch ? Um sich zu schützen und sicher zugehen, das die Chips keine Informationen mehr senden, kann man die Produkte (auch schon vor dem bezahlen an der Kasse !) in Alufolie einwickeln, so das die Antenne des Chips kein Signal mehr erhält und dieser somit auch nicht aktiviert wird. Jedoch sollte hier draufgeachtet werden, das die Folie und die Antenne keinen Kontakt haben, da sonst der Effekt umgekehrt wird. Eine andere Möglichkeit ist, die Atenne zu zerstören, da diese im vergleich zum Chip recht gross und somit leichter zufinden sein sollte.

Der CCC (ChaosComputerClub) hat schon mehrmals zu Demos und Aktionen gegen die Einführung der Überwachungstechnologie aufgerufen, was aber kaum in der öffentlichkeit beachtet wurde, sei es Aufgrund von Ignoranz oder Unwissenheit. In einem Feldversuch hat der CCC zahlreiche Firmen und Kaufhäuser entdeckt, die auf den Frequenzen der RFID - Chips funken, darunter sollen z.b. C+A oder Kaufhof sein. Auf Anfrage, warum das so ist oder ob verdeckt ohne Wissen des Kunden schon RFID getestet wird, wurde die Aussage verweigert.
Ein weiterer Beschwichtigungsgrund von RFID-Befürwortern ist die angeblich sehr kleine Distanz, die zwischen Scanner und Sender liegen muss, um diesen Auszulesen, so müssten die geplanten Chips in den EU-Pässen wenige Zentimeter bis umittelbar am Scanner vorbeigeführt werden. Tests haben aber gezeigt, das man schlummernde Chips verdeckt mit einem Handscanner in
Abstand von 1 bis 2 m auslesen kann (laut der Computerzeitschrift ct).

Es gibt inzwischen Störsendern als Bausätze und auch fertige Geräte, die das Sendefeld eines Scanners überlagern und entsprechende Geräten, um (versteckte) Chips zu entdecken und zu orten(Bausätze gibt es z.b. bei der c`t).

Ein weitere Anwendung von RFID-Chips sieht die EU übrigens darin, in Zukunft Geldscheine durch Bestückung mit Funkchips fälschungssicher zumachen. Was das für die lückenlose ÜberwachungsMöglichkeit von Personen und Bargeldverkehr bedeutet, sollte sicher jeder selbst ausmalen können.


Die Beschreibung der EinsatzMöglichkeiten in Verbindung mit der immerweiter ausgebauten Kamera- und SensorÜberwachung würde jetzt den Rahmen sprengen, daher möchte ich auf die Angefügte Linkliste verweisen

Wer weitere Fragen zum Thema hat oder Fehler in diesem Bericht klarstellen möchte, kann mich per mail unter Toxo@bundschuhfanzine.de erreichen.




Linkliste zum Thema RFID

Technik und Linksammlung
http://de.wikipedia.org/wiki/RFID

Der CCC über RFID
http://www.ccc.de/cards/rfid/

Datenspuren -Privatsphäre war gestern
http://datenspuren.c3d2.de/

The pirate of knowledge is a goog priate
http://www.datenreise.de

Infoseite gegen totale Überwachung
http://stop1984.com/ http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID5761832_REF1,00.html

Anmerk: Die hier genannten Seiten sind nur eine Auswahl und beinhalten auch ausführliche weiterführende Linklisten. In dem Artikel geht es um passive, nicht selbstsendende RFID Chips (diese haben eine eigene Energieversorung und u.a. größere Reichweiten).

Einleitung: Danny
Rest: Toxo


aktuelle Links: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID5881200_REF1,00.html http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5881206_REF1_NAV_BAB,00.html Überwachen und Befehlen von Florian Rötzer 18.09.2006
Britische Überwachungskameras wurden mit Lautsprechern ausgestattet, um beobachtetes Fehlverhalten zu disziplinieren

Überwachungskameras mag man ebenso übersehen wie manche Blicke von Neugierigen. Wenn aber deutlich wird, dass hinter den Kameras Menschen sitzen, die den öffentlichen Raum kontrollieren und lautstark ein bestimmtes Verhalten einfordern, dann dürfte das Leben in derart überwachten Räumen sich noch einmal verändern.
weiterlesen: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23571/1.html Heute Abend im Fernsehen: Alles! VideoÜberwachung neuer Qualität: in London sollen Bewohner ihr Viertel selbst beobachten - von Matthias Becker 15.04.2006
James Morris ist stolz: "Ehrlich gesagt hat mich dieses Interesse selbst überrascht!" Seit im Januar die Pläne von [extern] Shoreditch Trust, einem Londoner Wohlfahrtsverband, [extern] bekannt wurden (s.a. [local] Blair will "antisoziales Verhalten" ausrotten), kann sich der Vorstandsvorsitzende der Anfragen von Journalisten und Stadtpolitikern kaum erwehren. Sogar aus dem Ausland kommen interessierte Anrufe - kein Wunder, denn was Morris plant, ist weltweit einzigartig: Bald sollen bis zu 20.000 Menschen Zugang zu den Aufnahmen von Überwachungskameras erhalten und von ihren heimischen Fernsehgeräten und Computerbildschirmen aus ihre Nachbarschaft beobachten.
weiterlesen: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22461/1.html

Nach den jüngsten Zahlen gibt es auf der britischen Insel inzwischen 4,2 Millionen staatliche und private Überwachungskameras, auf 14 Briten komme eine Kamera. Im Durchschnitt wird jeder Einwohner am Tag rund 300 Mal erfasst. Kameras, Analysen des Konsumverhaltens, Telefon- und Internetüberwachung seien ständig präsent, so die Studie. In der nationalen DNA-Datenbank sind die genetischen Daten von 3,5 Millionen Menschen gespeichert. Zudem verfügen die Behörden über die Fingerabdrücke von rund sechs Millionen Menschen.
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID6057892_REF1,00.html

Das Projekt "Codecheck" von Roman Bleichenbacher setzt das Internet als Informationsmedium im wahrsten Sinne des Wortes ein. Es hilft Konsumenten, den Zifferncode auf Konsumgütern zu entziffern. Per PC-Eingabe sendet man den Zifferncode an [extern] http://www.codecheck.ch/ und erhält umgehend alle relevanten Fachinformationen über die Inhaltstoffe. In Zukunft soll das System um eine mobile Variante (der Kunde erhält die Informationen auf das Handy) weiterentwickelt werden.


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  1. DIE TRICKSER vom MEDIA-MARKT

    Das Projekt "Codecheck" von Roman Bleichenbacher setzt das Internet als Informationsmedium im wahrsten Sinne des Wortes ein.Es hilft Konsumenten, den Zifferncode auf Konsumgütern zu entziffern. Per PC-Eingabe sendet man den Zifferncode an http:/

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